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Japanische Forscher wollen menschliche Organe in Tieren züchten. Ein Schweineembryo etwa könnte mit einer menschlichen Bauchspeicheldrüse heranreifen und dann als Organspender dienen. Noch steht diese fragwürdige Forschung aber ganz am Anfang.

Seit Jahren versuchen Forscher Organe zu züchten, die mit dem menschlichen Körper kompatibel sind. Bislang waren Wissenschaftler in Japan jedoch dazu verpflichtet, die Tierembryonen mit menschlichen Zellen spätestens nach 14 Tagen zu töten. Nun dürfen diese Embryonen auch ausgetragen werden. Die Erlaubnis dazu erhielt der Wissenschaftler Hiromitsu Nakauchi.

Wie soll das funktionieren?

Das Experiment ist so aufgebaut, dass zunächst ein tierischer Embryo gezüchtet wird, dem die Voraussetzungen für die Bildung eines bestimmten Organes fehlen. Zum Beispiel zur Bildung der Bauchspeicheldrüse. Dann werden menschliche Stammzellen in den tierischen Embryo injiziert. Diese Zellen können sich zu jeder Art von Gewebe entwickeln. Der tierische Embryo wird so dazu gebracht, mit den menschlichen Stammzellen das fehlende Organ zu bilden.

Erste Erfolge bereits 2017

Rattenembryo; Foto: picture alliance / Mary Evans Pi

In Japan soll es künftig erlaubt sein, Mensch-Tier-Embryonen zur Welt zu bringen.

picture alliance / Mary Evans Pi

Schon 2017 gelang es dem japanischen Wissenschaftler Nakauchi und seinem Team, den Forschungsansatz mit Mäusen und Ratten erfolgreich zu testen: Bei einem Rattenembryo war die Fähigkeit, eine Bauchspeicheldrüse aus eigenen Zellen zu entwickeln, unterdrückt worden. Als stattdessen Maus-Stammzellen injiziert wurden, bildete der Rattenembryo aus diesen Mauszellen seine Bauchspeicheldrüse.

Später entnahmen die Wissenschaftler die Maus-Bauchspeicheldrüse der Ratte und setzen sie einer diabeteskranken Maus ein. Diese Maus konnte dank der neuen Bauchspeicheldrüse die Diabetes überwinden. Nun sind Maus und Ratte nah verwandte Arten. Schwierig ist die nächste Stufe: Menschliche Zellen wachsen nicht so einfach in einem tierischen Organismus heran.

Schweine als Wirtstiere

Zunächst wollen die Forscher menschliche Stammzellen in Mäuse und Rattenembryos einsetzen – mit dem Ziel, dass diese eine Bauchspeicheldrüse bilden. Die so veränderten Embryonen sollen dann in Muttertiere eingepflanzt und bis zur Geburt beobachtet werden. Wenn dieses Experiment glückt, planen die japanischen Wissenschaftler im nächsten Schritt, hybride Embryos von Schweinen austragen zu lassen. Schweine wurden dabei als Wirtstiere ausgewählt, da sie ähnlich große Organe wie Menschen bilden und so zu lebenden Organspendern werden könnten.

So könnte zum Beispiel ein Schweineembryo mit einer menschlichen Leber geschaffen werden und von einem Schwein ausgetragen werden. Das Ferkel würde dann mit einer menschlichen Leber geboren. Die Forscher hoffen, dass in Zukunft Organe auf diese Weise passgenau für den jeweiligen Patienten mit dessen eigenen Stammzellen gezüchtet werden könnten.

Kritiker: Menschen-Zellen in Tieren könnten Bewusstsein schaffen

Ein großes Problem der Organtransplantation besteht darin, dass die Spenderorgane oft vom Körper des Empfängers abgestoßen werden. Kritik an dem Experiment kommt von einigen Bioethikern. Sie warnen, dass die menschlichen Stammzellen neben der Bildung des gewünschten Organes weiter ins Hirn des Wirtstieres wandern und dort eine Art Bewusstsein hervorrufen könnten.

Die japanischen Wissenschaftler setzen jedoch dagegen, sie seien sicher, dass die menschlichen Stammzellen tatsächlich nur das gewünschte Organ im tierischen Körper entwickeln würden. In Deutschland, den USA und vielen westlichen Staaten ist das Austragen solcher Mensch-Tier-Mischwesen bislang verboten.