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Laura Bisch
Laura Bisch, SWR3; Foto: SWR3
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Fast jedes zehnte Kind auf der Welt muss arbeiten, damit seine Familie überleben kann. Das hat das UN-Kinderhilfswerk Unicef bekanntgegeben und gefordert, mehr gegen die weltweite Kinderarbeit zu tun.

Immer noch müssten 152 Millionen Mädchen und Jungen weltweit etwas zum Unterhalt ihrer Familie beitragen – das sei fast jedes zehnte Kind, so das UN-Kinderhilfswerk Unicef anlässlich des „Welttags gegen Kinderarbeit“ am Mittwoch.

73 Millionen Kinder arbeiten unter gefährlichen Bedingungen

Dazu komme, dass rund die Hälfte der Kinder, die deshalb arbeiten gehen müssten, unter Arbeitsbedingungen leide, die „gefährlich oder ausbeuterisch“ seien. Unicef beziffert die Zahl der davon betroffenen Kinder auf 73 Millionen.

Mädchen auf Bananenplantage; Foto: picture alliance / Godong

Ein Mädchen bei seiner Arbeit auf einer Bananenplantage in einem Dorf nahe Agboville an der Elfenbeinküste.

picture alliance / Godong

Die meisten von Kinderarbeit betroffenen Jungen und Mädchen leben in Afrika (72 Millionen), gefolgt von Asien (62 Millionen). Über 70 Prozent der arbeitenden Mädchen und Jungen werden dabei in der Landwirtschaft eingesetzt.

Unicef: „Es reicht nicht, Kinderarbeit nur zu verbieten“

Das UN-Kinderhilfswerk rief außerdem Regierungen, Zivilgesellschaft und Unternehmen dazu auf, die Ursachen von Kinderarbeit wie extreme Armut, fehlende Bildungschancen und die Diskriminierung von Mädchen stärker zu bekämpfen.

Es reicht nicht, Kinderarbeit zu verurteilen und zu verbieten.

Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland

Stattdessen müssten die Ursachen wie Armut und fehlende Ausbildungs- und Jobmöglichkeiten bekämpft werden. Verschiedene Hilfsorganisationen fordern Investitionen in alle Lebensbereiche eines Kindes – insbesondere in Bildung und den Zugang zu kostenfreien Schulen sowie in die soziale Sicherheit von Kindern und ihren Familien.

Hilfsorganisationen: Regierungen müssen einschreiten

Um Kinderarbeit zu beenden, sehen Hilfsorganisationen in erster Linie die jeweiligen Regierungen in der Pflicht: Sie müssten die Schulpflicht durchsetzen und dafür sorgen, dass das Mindestalter für die Zulassung zur Arbeit rechtlich angeglichen würden. Staatliche Aufsichtsbehörden müssten gestärkt und Arbeitgeber, die Kinder ausbeuten, bestraft werden, forderte etwa des Kinderhilfswerk „terre des hommes“.

Zahl der arbeitenden Kinder gesunken – aber noch hoch

In den vergangenen Jahrzehnten sei die Zahl der arbeitenden Kinder weltweit laut Unicef zwar stark gesunken – von 246 Millionen im Jahr 2000 auf 152 Millionen 2016. Der Rückgang habe sich aber zuletzt aber verlangsamt. Alarmierend, findet das Hilfswerk. Wenn es so weitergehe, wie bisher, dann werde es auch 2025 noch 121 Millionen Kinder geben, die arbeiten müssten, um ihre Familien mit zu ernähren.

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