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Sexuelle Übergriffe bis hin zu Vergewaltigung. Zahlreiche Frauen werfen Filmproduzent Weinstein dies vor. Jetzt verklagt der US-Bundesstaat New York den Filmproduzenten.

Seit Monaten gibt es immer wieder neue Anschuldigungen und Erkenntnisse rund um sexuelle Belästigung und Machtmissbrauch im Show-Geschäft. Angestoßen hat all das die #Metoo-Debatte. Am Sonntag reichte der amerikanische Bundesstaat New York Klage gegen Harvey Weinstein und dessen frühere Firma Weinstein Company ein. Der Vorwurf: Verletzung der Bürgerrechte, Menschenrechte und des Arbeitsrechts.

Klage ist Ergebnis viermonatiger Ermittlungen

Schauspielerin Rose McGowan.; Foto: dpa/picture-alliance

Sie gehörte zu den ersten Frauen, die sich trauten, über ihre Erlebnisse mit Harvey Weinstein zu sprechen – Rose McGowan.

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Die Anschuldigung richtet sich nicht nur gegen den Filmproduzenten, auch seine Firma habe es nicht geschafft, Frauen ausreichend vor Belästigungen zu schützen. Die Weinstein Company habe, trotz zahlreicher Beschwerden von Mitarbeiterinnen, „wiederholt New Yorker Gesetze gebrochen, indem sie ihre Mitarbeiter nicht vor allgegenwärtiger sexueller Belästigung, Einschüchterung und Diskriminierung“ geschützt habe.

In den vier Monaten der Ermittlungen seien auch neue Vorwürfe bezüglich Weinsteins „bösartiger und ausbeuterischer Misshandlung“ von Mitarbeitern aufgekommen. So soll der Filmproduzent seine Firma genutzt haben, um Frauen für sein Sexleben anzustellen.

Null Diskriminierung

Weinsteins Anwalt Ben Brafman reagierte auf die Vorwürfe. In einer Mail teilte er der dpa mit, in einem Verfahren würde sich zeigen, dass viele der Anschuldigungen unbegründet seien. „Auch wenn Weinsteins Verhalten nicht fehlerfrei war, war es mit Sicherheit nicht kriminell“, schrieb Brafman. Er führte außerdem an, dass Weinstein mehr Frauen in Führungspositionen gebracht habe als andere Unternehmenschefs. Dann sagte er noch, in seinen Unternehmen habe es „null Diskriminierung“ gegeben.

Weinstein streitet weiter ab

Salma Hayek und Ashley Judd. ; Foto: dpa/picture-alliance

Um ein Zeichen gegen sexuelle Übergriffe auf Frauen zu setzen, kamen viele Stars in schwarz zur Vergabe der Golden Globes im Januar, so auch Salma Hayek und Ashley Judd.

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Diese Aussage dürfte viele Frauen besonders ärgern. Mehr als hundert Frauen werfen Weinstein vor, sie sexuell bedrängt oder sogar vergewaltigt zu haben. Darunter auch Schauspielerinnen wie Salma Hayek, Gwyneth Paltrow, Angelina Jolie und Mira Sorvino.

Weinstein streitet weiter alles ab. Er hat zwar eingestanden, dass er sich nicht immer korrekt verhalten habe, er habe jedoch niemanden vergewaltigt. Er war im Oktober von seiner Firma entlassen worden und soll sich mittlerweile in einer Therapie befinden.

Verkauf des Filmstudios wohl geplatzt

Die neue Klage hat Berichten zufolge auch den geplanten Verkauf des von Weinstein gegründeten Filmstudios verhindert. Eine Investorengruppe hatte rund 500 Millionen Dollar für die Weinstein Company geboten, trat jedoch nach der neuen Klage von den Verkaufsgesprächen zurück. Das berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf eine mit den Gesprächen vertraute Person.

Autor
Amelie Heß
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SWR3