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Vanessa Valkovic
Vanessa Valkovic, SWR3; Foto: SWR
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Der Bundestag will härter gegen Kindesmissbrauch im Internet vorgehen. Ermittler können in Zukunft mit virtuellen Missbrauchsvideos Täter anlocken. Außerdem wird auch der Versuch strafbar, sexuelle Kontakte zu Kindern aufzubauen.

Ermittler haben künftig mehr Rechte im Kampf gegen Kindesmissbrauch. Der Bundestag hat eine entsprechende Gesetzesänderung verabschiedet: Künftig dürfen für die Verbrechensbekämpfung auch virtuell erstellte Missbrauchsvideos verwendet werden.

Was ist das Problem der Ermittler?

In Internetforen kursieren zahlreiche Videos von missbrauchten Kindern. Die Täter zu fassen ist schwer – denn: In vielen Tauschbörsen bekommen nur Nutzerinnen und Nutzer Zugang, die selbst solches Material hochladen. Ermittler hatten bisher Schwierigkeiten, Zugang zu diesen Kreisen zu bekommen – ohne sich selbst durch das Hochladen von Missbrauchsvideos strafbar zu machen.

Täter schneller verurteilen

In Zukunft dürfen künstlich am Computer hergestellte Missbrauchsvideos für die Ermittlungen verwendet werden. Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) sagte, sie wolle damit Ermittlern alle Instrumente an die Hand geben, um Täter, Hintermänner und Portalbetreiber schneller zu verurteilen. Sie betonte:

Diese computergenerierten Bilder sehen echten Bilder täuschend ähnlich, zeigen aber niemals echte Kinder.

Auch für die Herstellung der Videos dürfen keine Abbildungen echter Menschen verwendet werden. Die virtuellen Missbrauchsvideos dürfen nur dann verwendet werden, wenn sich Taten nicht anders aufklären lassen. Außerdem muss ein Gericht zustimmen.

Im Bundestag gab es auch Bedenken gegen den Beschluss: Einige Abgeordnete wiesen während der Debatte daraufhin, dass dadurch noch mehr kinderpornografisches Material in Umlauf gebracht wird.

Auch die versuchte Kontaktaufnahme wird strafbar

Das neue Gesetz schafft nicht nur mehr Möglichkeiten für Ermittler – es schränkt auch den Handlungsspielraum der Täter ein. So genannte Cybergroomer sollen schärfer verfolgt werden könne. Als Cybergrooming wird die gezielte sexuelle Kontaktaufnahme im Netz zu Minderjährigen bezeichnet.

In Zukunft soll auch der Versuch strafbar werden, in den sozialen Medien sexuelle Kontakte zu Kindern aufzunehmen. Konkret bedeutet das, dass auch Täter bestraft werden, die glauben, sie würden mit einem Kind kommunizieren – tatsächlich antwortet ihnen aber ein verdeckter Ermittler.