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Ein 35-jähriger Kenianer gewinnt eine Million Dollar, weil er der beste Lehrer der Welt ist. Er spendet 80% seines Gehalts an die Armen – aber nicht nur das.

Die Auszeichnung „Bester Lehrer der Welt“ wird einmal im Jahr vergeben und der diesjährige Preisträger heißt Peter Tabichi. Er unterrichtet in einem Dorf nahe Kenias viertgrößter Stadt Nakuru im Westen Kenias. Die Keriko Gesamtschule in Pwani Village liegt in einem abgelegenen Gebiet des Landes, Schüler mit den unterschiedlichsten kulturellen und religiösen Hintergründen lernen hier in ärmlich ausgestatteten Klassenräumen.

Schwierige soziale Bedingungen

Nakuru, Kenya im Rift Valley; Foto: dpa/picture-alliance

Die Schule liegt in einer ländlichen Region nahe Nakuru City im Kenianischen Rift Valley (im Bild: Vorort von Nakuru)

dpa/picture-alliance

Die soziale Lage der Schüler ist schwierig. Laut der Varkey-Stiftung, die den Preis verliehen hat, kommen 95% aus armen Haushalten, ein Drittel sind Waisen oder Halbwaisen. Drogenmissbrauch, Teenager-Schwangerschaften, abgebrochene Schullaufbahnen, Kindesheirat und Selbstmord sind üblich.

Der Lehrer-Schüler-Schlüssel liegt bei 58:1, es gibt nur einen einzigen Computer an der gesamten Schule, das Internet ist unzuverlässig – Tabichi müsse deshalb regelmäßig zu einem Cyber-Cafe fahren, um Online-Ressourcen herunterzuladen.

Preisträger will lokaler Gemeinschaft helfen

Peter Tabichi ist Franziskanermönch. Er selbst sagt, er habe sich entschieden, einen Job an einer gut ausgerüsteten Privatschule aufzugeben, „weil ich glaube, dass die lokale Gemeinschaft meine Hilfe eher braucht. Viele Kinder hier bekommen nicht einmal ein ordentliches Frühstück und können sich dann im Unterricht nicht konzentrieren. Diese Gegend wird alle drei bis vier Jahre von einer Hungersnot heimgesucht.“ Deshalb unterrichtet Tabichi seine Schüler auch darin, eine dürreresistentere Landwirtschaft zu betreiben.

„Ein großartiger Lehrer tut mehr und redet weniger. Er muss kreativ arbeiten und moderne Lehrmethoden und -technologien fördern.“

Peter Tabichi

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„Wissenschaft ist zukunftsträchtig“

Der Mathematik- und Physiklehrer fördert seine Schüler auf vielen Ebenen, vor allem in der Förderung wissenschaftlicher Fähigkeiten sieht er viel Zukunftspotential für seine Schüler. Unter anderem baute er den Wissenschaftsclub der Schule weiter aus und erreichte durch die Förderung von Forschungsprojekten, dass 60% seiner Schüler sich für nationale Wettbewerbe qualifizieren.

„Als Lehrer habe ich aus der ersten Reihe sehen können, wie vielversprechend diese jungen Leute sind – ihre Neugierde, ihr Talent, ihre Intelligenz und ihr Glaube.“

Peter Tabichi

Eines der Projekte war, ein Gerät zu entwickeln, dass es Taubblinden erlaubt, Objekte auszumessen. Mit einer Erfindung, die Strom aus Pflanzenextrakten generiert, gewannen seine Schüler einen Preis der Königlichen Gesellschaft für Chemie.

Engagement trägt Früchte

Tabichi und weitere Lehrer geben auch an Wochenende Nachhilfestunden für ihre Schüler. Laut Varkey-Stiftung hat sich die Zahl eingeschriebener Schüler innerhalb von drei Jahren verdoppelt, Probleme mit Disziplinlosigkeit sind auf 10% gefallen, die Zahl der Schüler mit anschließendem Studium hat sich verdoppelt und liegt nun bei ca. 45% der Schulabgänger. Nicht zuletzt hat sich auch die Leistung von Mädchen verbessert, die den Jungen inzwischen regelmäßig den Rang ablaufen.

Tabichi spricht gezielt mit Familien von Schülerinnen, die über eine frühe Heirat nachdenken und überzeugt sie davon, die Mädchen auf der Schule zu lassen. Zudem engagiert er sich für ein friedvolles Zusammenleben der vielen Kulturen und Religionen in der Region.

„Es ist Morgen in Afrika. Der Himmel ist klar. Der Tag ist jung und eine leere Seite wartet darauf, beschrieben zu werden.“

Peter Tabichi

Für sein Engagement wurde er nun mit dem Global Teacher Prize ausgezeichnet. Der Preis wurde zum fünften Mal von der Varkey-Stiftung ausgelobt und in Dubai vergeben, für das Finale waren 10 Lehrer aus der ganzen Welt nominiert.