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Björn Widmann
Björn Widmann, SWR3; Foto: SWR3
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Für uns waren He-Man, Supermann oder Asterix und Obelix Helden. Für die Nordkoreaner ist es Diktator Kim Jong Un. Deswegen gibt es von ihm neue, heldenhafte Fotos – auf einem Pferd. Wer hat ihn dazu bloß inspiriert?

Es hat ein bisschen was von Fantasy-Romantik, die wir zum Beispiel aus dem Fim „Herr der Ringe“ kennen: Ein wunderschönes, weißes Pferd reitet durch schneebedeckte Landschaften. Weit und breit ist niemand zu sehen, rundherum Natur. Auf dem Pferd sitzt Halbelf Arwen – oder Zauberer Gandalf.

Die Realität in Nordkorea sieht da ein bisschen anders aus: Statt Gandalf oder anderer Fantasy-Figuren sitzt Diktator Kim Jong Un auf dem Rücken des Pferdes und reitet in selbstauferlegter Romantik gedankenverloren durch den Schnee.

Elfengleich: Führer-Romantik auf nordkoreanisch

Kim Jong Un; Foto: picture alliance/-/KCNA/dpa

Schnell wie der Wind: Kim reitet auf einem weißen Pferd durch Nordkorea

picture alliance/-/KCNA/dpa

Medien kündigen „große Entscheidung“ an

Die Fotos sind Teil der gigantischen Propaganda-Maschine des Regimes in Pjöngjang. Der große Führer habe wegweisende Entscheidungen zu verkünden, heißt es salbungsvoll aus Nordkorea. Deswegen habe Kim sich – fast schon traditionell – zum Nachdenken an den heiligen Berg Paektu zurückgezogen.

Der 2750 Meter hohe Vulkan ist der höchste Berg Nordkoreas und gilt als spirituelle Heimat der Kim-Dynastie. In der Vergangenheit war Kim immer dann am Berg, wenn er etwas Wichtiges zu verkünden oder zu zeigen hatte. So kam er vor zwei Jahren kurz nach dem Start der größten Interkontinentalrakete des Landes an den Paektu.

Oder 2013 vor der Hinrichtung seines mächtigen Onkels. Die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA berichtete damals, Chang Song Taek wurde Fraktionsbildung, Korruption, Ausverkauf von Rohstoffen des Landes an China und Frauengeschichten vorgeworfen.

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Neues zum Atomprogramm?

„Der Ritt am Berg Paektu ist ein großes Ereignis mit weitreichender Bedeutung in der Geschichte der Revolution Koreas“, heißt es in der Mitteilung der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA also. Alle Beamten, die ihn begleiteten, seien davon überzeugt, dass etwas Bedeutendes bevorstehe, das die Welt erneut ins Staunen versetzen werde.

Aber was steckt dahinter? Warum werfen die Nordkoreaner mit bedeutungsschwangeren aber doch nichtssagenden Worten um sich? Nordkorea-Experte Joshua Pollack vom Middlebury Institut für internationale Studien sagt, Kim protestiere mit den Bildern gegen die internationalen Sanktionen und den Druck gegen sein Atomprogramm.

„Das Streben nach Sanktionserleichterungen ist vorbei.“ Wahrscheinlich werde demnächst sein politischer Kurs für 2020 bekannt gegeben. Andere Nordkorea-Experten vermuten, dass Kim wirtschaftliche Entscheidungen treffen könnte oder eine Weltraummission auf dem Plan stehen könnte.

Wer ist Kims reitendes Vorbild?

Und natürlich stellt sich bei den heroischen Fotos von Kim auch noch eine ganz andere Frage: Wem eifert der Diktator auf den Bildern nach? Wem will er damit imponieren? Etwa dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, der auch schon selbst harte Männer-Bilder von sich mit freiem Oberkörper auf einem Pferd veröffentlichen ließ?

Eine Antwort darauf gibt es (noch) nicht. Trotzdem haben wir uns Gedanken gemacht, wem Kim auf dem Pferd ähnlich sieht.

Wladimir Putin; Foto: picture-alliance/ dpa

Das Kim-Foto erinnert stark an Russlands Präsident Wladimir Putin.

picture-alliance/ dpa
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