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Es sind keine schönen Aussichten: Einer Prognose zufolge könnten die Gletscher in den Alpen in den nächsten Jahrzehnten nahezu vollkommen verschwinden. Ein Faktor spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Schweizer forscher haben eine Studie veröffentlicht, deren Ergebnisse ziemlich erschreckend sind. Im Fachblatt The Cyrosphere schreiben sie: Bis 2050 wird die Hälfte der Gletscher in den Alpen geschmolzen sein. Daran sei auch nichts mehr zu ändern, weil die Gletscherschmelze nur sehr langsam auf klimatische Veränderungen reagiere.

Zwei Szenarien zur Gletscherschmelze

Für die weitere Entwicklung käme es dann darauf an, wie es mit dem Klimawandel weitergeht. Mit Hilfe eines Computermodells und Daten aus der Beobachtung von Gletschern haben die Wissenschaftler zwei unterschiedliche Szenarien entwickelt, die je nach Erderwärmung eintreten könnten.

  • Bis 2100 würden etwa zwei Drittel der Alpengletscher verloren gehen, wenn sich die Erde bis zum Ende dieses Jahrhunderts um weniger als zwei Grad verglichen zur vorindustriellen Zeit erwärmt.
  • Sollte sich das Klima jedoch schlechter entwickeln, könnten die Alpen bis zum Jahr nahezu eisfrei sein. Nur einzelne Flecken würde es „in diesem pessimistischen Fall“ noch geben, wie Matthias Huss von der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich in einer Mitteilung zitiert wird.
     Der Rhonegletscher war in der letzten Eiszeit der größte Gletscher der europäischen Alpen. Seitdem ist er immer weiter geschrumpft.; Foto: picture alliance/M. Huss/EGU/dpa

    Der Rhonegletscher war in der letzten Eiszeit der größte Gletscher der europäischen Alpen. In einigen Jahren könnte er komplett verschwunden sein.

    picture alliance/M. Huss/EGU/dpa

Prognose gilt für alle Alpengletscher

Die Prognose gilt für alle Gletscher in den Alpen – das sind mehr als 4.000. Für ihre Untersuchungen konnten die Wissenschaftler zum ersten Mal nicht nur den Schmelzprozess an sich berücksichtigen, sondern auch die Bewegung des Eises. Als Ausgangswerte nutzten die Wissenschaftler Daten aus dem Jahr 2017. Damals hatten die Gletscher in den Alpen ein Gesamtvolumen von rund hundert Kubikkilometern.

Die Gletscher in den Alpen und ihre jünste Entwicklung sind einige der klarsten Indikatoren des Klimawandels.

ETH-Forscher Daniel Farinotti

Die Gletscherschmelze hätte starke Auswirkungen auf die Alpen. Denn Gletscher sind nicht nur ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems, ihnen kommt auch eine hohe wirtschaftliche Bedeutung zu. Das Schmelzwasser wird zum Beispiel für die Landwirtschaft und zur Energiegewinnung genutzt. Außerdem locken die hohen Berge und der Schnee viele Touristen an.