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Hans Liedtke
Hans Liedtke, SWR3; Foto: SWR3
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Fast jeder Zehnte in Deutschland fühlt sich einsam. Besonders stark betroffen sind 20- bis 29-Jährige. Insgesamt fühlten sich 2017 aber weniger Menschen einsam als 2013.

Die Daten für die Studie stammen aus fortlaufenden repräsentativen Umfragen bei rund 30.000 Menschen in rund 15.000 Haushalten. "Ein Vergleich der Daten von 2013 und 2017 zeigt, dass der Anteil derjenigen, die angeben, sehr oft oder oft einsam zu sein, kleiner geworden ist", hieß es demnach in der Studie. Die Zahl sank demnach von 10,5 Prozent im Jahr 2013 auf 9,5 Prozent im Vergleichsjahr 2017. Die Subjektive Einschätzung kann jedoch anders aussehen.

Junge Erwachsene sind am stärksten betroffen

Laut der Selbsteinschätzung der Teilnehmer fühlte sich mit 29 Prozent beinahe ein Drittel der daran teilnehmenden 20- bis 29-Jährigen 2017 einsamer als vier Jahre vorher.

Dafür seien verschiedene Erklärungsansätze denkbar, erläuterten die Autoren. In diesem Alter komme es typischerweise zu Einschnitten wie dem Auszug aus dem Elternhaus oder Ortswechseln für Arbeit und Ausbildung. Dies mache es auch notwendig, neue Kontakte aufzubauen. Einsamkeit kann zu Depressionen und Ängsten führen.

Kaum Unterschiede zwischen West und Ost

Zwischen Ost- und Westdeutschland gibt es kaum Unterschiede; allerdings gibt es unterschiedliche Werte in den Bundesländern: Der Anteil von einsamen Personen ist mit 13,4 Prozent im Saarland am höchsten. Danach folgt Brandenburg mit 12,9 Prozent und Thüringen mit 12,1 Prozent. Am geringsten sind die Anteile der Einsamen in Hamburg mit 5,5 Prozent und Mecklenburg-Vorpommern mit 8,2 Prozent.

Familienstand, Erwerbsstatus und Migrationshintergrund sind wichtige Indikatoren

Als mögliche Einflussfaktoren für Einsamkeit nennt die Studie Familienstand, Erwerbsstatus und Migrationshintergrund. Der Anteil der Einsamen war 2017 bei Menschen, die in einer Ehe oder festen Partnerschaft lebten, mit acht Prozent am geringsten. Bei den Singles waren es elf Prozent, bei Verwitweten 17 Prozent. Die These, die Zunahme von Single-Haushalten sei ein Grund für Einsamkeit, bestätigt sich nicht, hieß es. Die Anzahl der Haushaltsmitglieder habe wenig Auswirkungen auf Einsamkeit.

Anders sieht es beim Erwerbsstatus aus: Bei Nicht-Erwerbstätigen liegt der Anteil der Einsamen mit 13,1 Prozent deutlich über dem Gesamtdurchschnitt. Bei Auszubildenden betrug der Anteil 9,4 Prozent, bei Vollzeitbeschäftigten 6,7 Prozent. Bei Einwanderern ist der Anteil Einsamer mit 15 Prozent überproportional hoch. Bei Menschen ohne Migrationshintergrund sind es 8,2 Prozent.

Die Ergebnisse stammen aus einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, wie die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) berichteten.