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Mario Demuth
Mario Demuth, SWR3; Foto: SWR3
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Siemens will trotz Protesten von Klimaschützern an einem Auftrag für ein Kohlebergwerk in Australien festhalten. Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer spricht von einem „unentschuldbaren Fehler“.

Bei dem Siemens-Auftrag geht es um eine Zugsignalanlage für eine Eisenbahnlinie, die eine Kohlemine und einen Hafen in Australien verbinden soll. Der Auftrag hat einen Wert von 18 Millionen Euro. Für Siemens ist das eine eher kleine Summe.

Klimaschützer kritisieren, dass das deutsche Unternehmen die Entstehung eines der größten Kohlebergwerke der Welt unterstützt. Aus fünf Untertageminen und sechs Tagebauen sollen bis zu 60 Millionen Tonnen Kohle abgebaut werden.

Bild von Fridays-for-Future-Aktivisten am Siemens-Standort bei Hannover; Foto: picture alliance/Julian Stratenschulte/dpa

Fridays-for-Future-Aktivisten am Siemens-Standort bei Hannover

picture alliance/Julian Stratenschulte/dpa

Proteste vor deutschen Siemens-Standorten

Bereits am Freitag demonstrierten Fridays-for-Future-Aktivisten vor mehreren Siemens-Standorten in Deutschland. Unterstützung kam auch von Greta Thunberg.

Auf Twitter schrieb sie, dass es so scheint, als habe Siemens die Macht, den Bau der riesigen Adani-Kohlemine in Australien zu stoppen, zu verzögern oder zumindest zu unterbrechen.

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Das Projekt steht nicht nur wegen des Kohleabbaus an sich in der Kritik, sondern auch wegen des enormen Wasserverbrauchs, der Zerstörung von Lebensraum und des Transports der Kohle über das größte Korallenriff der Welt, das Great Barrier Reef.

Siemens-Chef bietet Neubauer Aufsichtsratsposten an

Bild von Siemenschef Joe Kaeser; Foto: picture alliance/Peter Kneffel/dpa

Joe Kaeser, Siemens-Konzernchef

picture alliance/Peter Kneffel/dpa

Siemens-Chef Joe Kaeser traf sich am Freitag mit der deutschen Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer. Er versprach, den bereits unterschriebenen Vertrag noch einmal zu überprüfen.

Außerdem bot er Neubauer einen Posten im Aufsichtsrat an. Sie lehnte ab. Am Sonntagabend teilte er seine Entscheidung per Twitter mit. Höchste Priorität für sein Unternehmen habe, Versprechen einzuhalten:

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In einer längeren Stellungnahme schrieb Kaeser zudem, dass er sich bewusst ist, dass viele auf eine andere Entscheidung gehofft hätten. Als Konzernchef sei es jedoch seine Pflicht, alle Interessen abzuwägen.

Neubauer: Entscheidung ist aus dem Jahrhundert gefallen

Bild der Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer; Foto: picture alliance/Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Luisa Neubauer, deutsche Fridays-for-Future-Aktivistin

picture alliance/Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Klimaschützerin Neubauer reagierte enttäuscht. „Joe Kaser macht einen unentschuldbaren Fehler“, sagte sie am Sonntagabend der Deutschen Presse-Agentur. Die Entscheidung sei „aus dem Jahrhundert gefallen“.

Konzerne müssten anfangen, bestehende Verträge zur Förderung von Kohle, Öl und Gas aufzulösen, sonst seien die Ziele des Pariser Klimaabkommens nicht einzuhalten, erklärte Neubauer. Auf den Vertrag zu pochen, während Australien brennt, sei Wahnsinn.

In einer ersten Reaktion rief sie zu neuen Protesten vor Siemens-Standorten auf. In der Nacht auf Montag kündigte sie erste Aktionen an – unter anderem auch in Freiburg.

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Kritik auch in Australien

Auch australische Umweltaktivisten kritisierten die Siemens-Entscheidung. Das Unternehmen zeige sein wahres Gesicht, teilte die Australian Conservation Foundation mit. Die angebliche Klimawandel-Strategie habe sich als „inhaltsleer und bedeutungslos“ entpuppt.

Verheerende Waldbrände in Australien

Derweil hat sich die Situation bei den Buschbränden in Australien seit dem Wochenende leicht entspannt. Die Temperaturen sind gesunken und der Wind hat nachgelassen.

Der australische Premierminister Scott Morrison hat am Wochenende zudem eine Kurskorrektur seiner Politik bekannt gegeben. Er wolle in Zukunft die Kohlendioxid-Emissionen seines Landes reduzieren und sehe nun ein, dass der Klimawandel für längere, heißere und trockenere Sommer verantwortlich sei.

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