Stand:

Innerparteiliche Querelen, Mobbing und mangelnde Rückendeckung – das alles hat dazu geführt, dass Annegret Kramp-Karrenbauer als CDU-Chefin gescheitert ist. Ein Kommentar von SWR-Hauptstadtkorrespondentin Evi Seibert.

Innerhalb eines Jahres ist das jetzt schon die zweite Parteichefin der Regierungskoalition, die aufgibt. Bei der SPD war es Andrea Nahles – bei der CDU jetzt Annegret Kramp-Karrenbauer. Die aktuelle Situation, die zum jeweiligen Rückzug führte, ist verschieden. Ob man das inhaltlich gut oder schlecht findet, sei dahingestellt. Was stinkt, ist die Art und Weise, wie es in beiden Fällen vor sich gegangen ist: Mobbing.

AKK hatte keine Rückendeckung von ihrer Partei

Beide Vorsitzenden wurden gewählt. Die CDU hatte dabei sogar die Wahl zwischen sehr unterschiedlichen politischen Richtungen. Die Entscheidung wurde aber von Partei-Querulanten und Wahlverlierern nicht akzeptiert, sie zündelten weiter. Bei AKK kommt erschwerend hinzu: Nicht einmal die Stellvertreter haben sich in der aktuellen Krise öffentlich hinter sie gestellt. Alle haben sich schön in Deckung gehalten, um ja nicht mit reingezogen zu werden.

Auf dem CDU-Parteitag gab es noch Beifall für AKK

Natürlich ist AKK – genauso wie Nahles – in viele Fettnäpfchen getreten. Sie hat sich nicht in ihrer Rolle als Parteichefin profiliert. Ganz im Gegenteil. Aber: Kramp-Karrenbauer ist deswegen erst vor kurzem in die Offensive gegangen und hat auf dem Parteitag die Vertrauensfrage gestellt. „Wir können das hier und jetzt beenden“, hatte sie angeboten und wurde mit großem Beifall zum Weitermachen ermuntert.

Die CDU hat sich nicht führen lassen

Ihre innerparteilichen Gegner haben weiter gestänkert und öffentlich gestichelt. Sie warfen ihr mangelnde Führungsstärke vor. Eine Partei muss sich aber auch führen lassen. Akzeptieren, wenn der eigene Kandidat nicht gewählt wurde. Sonst kann sich keine noch so starke Person an der Parteispitze halten. Der Flügelkampf in der CDU kann die Partei ähnlich runterziehen wie die SPD.

Mobben und hinterrücks Ränke schmieden ist abstoßend. Es schadet der CDU und dem Ansehen der Politik. Auch wenn AKK es als Parteichefin nicht gebracht hat – sie hat es als einzige in ihrer Partei wenigstens anständig beendet und kündigt nun den geordneten Rückzug an.