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Kerstin Welter
Kerstin Welter; Foto: Kerstin Welter
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Schwerer Schlag für den Bayer-Konzern – ein US-Gericht hat einem Krebskranken in Kalifornien fast 81 Millionen Dollar Schadenersatz zugesprochen. Der Grund: das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat.

Der Kläger, Edwin Hardeman hatte fast 30 Jahre lang mit dem Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat gearbeitet, das Grünpflanzen – beispielsweise auf einem Acker – abtötet. Vor einer Woche schon hatte das Gericht in San Francisco geurteilt, dass das ein „erheblicher Faktor“ für die Entstehung der Lymphdrüsen-Krebserkrankung bei Hardeman gewesen sei. Nun hat das Gericht in einer zweiten Phase des Prozesses die Höhe des Schadenersatzes bekannt gegeben: Umgerechnet rund 72 Millionen Euro.

Herbe Niederlage für Bayer

Bayer hatte den Glyphosat-Entwickler Monsanto im vergangenen Sommer für 63 Milliarden Dollar übernommen. Der Konzern bestreitet die Vorwürfe gegen Glyphosat und verweist darauf, dass Zulassungsbehörden weltweit den Unkrautvernichter bei sachgemäßer Anwendung als sicher bewerteten. Entsprechend will Bayer gegen das aktuelle Urteil Rechtsmittel einlegen und betonte, dass der Ausgang dieses Verfahrens keinen Einfluss auf zukünftige Fälle habe.

Glyphosat gerät immer mehr in die Kritik

Glyphosat ist das meistverkaufte Unkrautvernichtungsmittel der Welt, bekannt ist es vor allem unter dem Markennamen „Roundup“ von Bayer. Auch in Deutschland wird das Mittel benutzt – noch, denn die große Koalition hat angekündigt, den Einsatz des Herbizides zu beenden. Wann das Aus für Glyphosat kommt, ist allerdings unklar, denn EU-weit ist der Unkrautvernichter vorerst bis Ende 2022 zugelassen.

In den USA muss Bayer nun die zweite Niederlage in Prozessen um Krebs aufgrund von Glyphosat einstecken, denn schon im vergangenen August hatte ein kalifornisches Geschworenengericht den Konzern zur Zahlung von 289 Millionen Dollar Schadenersatz verurteilt. Später wurde die Summe zwar auf 78 Millionen Dollar reduziert, doch Glyphosat wurde immer noch für die Krebserkrankung des damaligen Klägers verantwortlich gemacht.

Noch stehen tausende Klagen an

Der jetzige Fall des Kaliforniers Edwin Hardeman gilt als sogenannter "Bellwether Trial" – einer von mehreren repräsentativen Fällen, die bei Produkthaftungsklagen in den USA genutzt werden, um etwa die Schadensspanne und Möglichkeiten für einen Vergleich zu bestimmen. Er könnte die Richtung für mehr als 760 weitere bei dem Gericht in San Francisco anhängige Verfahren vorgeben. Insgesamt sieht sich Bayer in den USA mit mehr als 11.200 Klägern wegen Glyphosat konfrontiert. Für dieses Jahr sind sieben Verfahren zur Verhandlung angesetzt. Bayer steht wegen der Klagen unter Druck, der Aktienwert des Konzerns ist seit dem Kauf von Monsanto um die Hälfte gefallen.