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Am Dienstag wird die Polizeiliche Kriminalstatistik für 2019 vorgestellt. Die gute Nachricht: In fast allen Bereichen geht die Kriminalität in Deutschland zurück. Doch es gibt auch eine erschreckende Erkenntnis.

In Deutschland wurden 2019 so wenige Straftaten registriert wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. So steht das in der polizeilichen Kriminalstatistik, die heute veröffentlicht wird und die dem ARD-Hauptstadtstudio bereits vorliegt.

Weniger Straftaten zuletzt 1992

Gut 5,4 Millionen registrierte Straftaten gab es insgesamt im vergangenen Jahr. Weniger waren es zuletzt nur 1992. Deutlich rückläufig sind zum Beispiel die angezeigten Diebstahlsdelikte, vor allem Wohnungseinbrüche und Taschendiebstahl. Aber es wurde auch weniger Gewaltkriminalität angezeigt. Hier gab es ein Minus von gut zwei Prozent.

Deutliche Anstiege bei den registrierten Straftaten gab es dagegen bei der Verbreitung von Kinderpornografie – plus 65 Prozent –, der Bereich der Computerkriminalität stieg um 11 Prozent, der Bereich des Widerstand gegen und der tätlichen Angriffe auf die Staatsgewalt um 8 Prozent.

Mehr Jugendliche verbreiten kinderpornografisches Material

Vor allem das Phänomen, dass Jugendliche kinderpornografisches Material verteilten, nimmt zu. „Wir stellen seit zwei bis drei Jahren fest, dass vermehrt auch Jugendliche kinderpornographisches Material teilen, etwa über Whatsapp“, sagt Julia Bussweiler, Staatsanwältin bei der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main, dem WDR. Die Einheit der Staatsanwaltschaft bearbeitet und führt federführend Verfahren im Bereich der Kinderpornografie in Deutschland.

Als Grund für die Zunahme der Kinderpornografie-Fälle nennen Ermittlungsteams insbesondere die vielen Hinweise auf Besitzer oder Verbreiter solchen Materials, die aus den USA an deutsche Behörden übermittelt werden. Die US-amerikanischen Nichtregierungsorganisation National Centre for Missing and Exploited Children (NCMEC) meldet in Zusammenarbeit mit großen Internetanbietern, sozialen Netzwerken und anderen Dienstleistern wie Google, Facebook oder Microsoft nahezu täglich kinderpornografische Dateien, die etwa über Computer in Deutschland hochgeladen oder verschickt werden. 

Alleine im vergangenen Jahr soll das Bundeskriminalamt (BKA) über das NCMEC-Meldesystem rund 60.000 Hinweise bekommen haben, im Jahr 2017 waren es noch rund 35.000 Hinweise.

Pressekonferenz von Innenministerium und BKA entfällt

Von den angezeigten Straftaten wurden gut 56 Prozent aufgeklärt. Das ist nur ganz knapp unter dem Rekordstand von 2018. Das Bundesinnenministerium wird die polizeiliche Kriminalstatistik noch am Dienstag veröffentlichen. Die eigentlich übliche Pressekonferenz des Ministers und des BKA-Chefs entfällt wegen der Coronavirus-Epidemie.

In Baden-Württemberg ist besonders die Zahl der Gewalttaten gegen Einsatzkräfte gestiegen.