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In Bornhagen in Thüringen gibt es seit Mittwoch ein Holocaust-Mahnmal. Direkt vor dem Haus von Björn Höcke. Jetzt gibt es Kritik aus dem Landtag in Thüringen.

Nach der Mahnmal-Aktion vor dem Haus von Björn Höcke, gibt es Kritik aus dem Landtag in Erfurt. Thüringens Landtagspräsident Christian Carius forderte am Donnerstag ein Ende der Aktion. Aktivisten des „Zentrums für politische Schönheit“ (ZPS) hatten am Mittwochmorgen auf dem Nachbargrundstück von Björn Höcke 24 Betonstehlen aufgestellt – ein Ableger des Berliner Holocaust-Mahnmals.

Über Monate beobachtet

Sie forderten Björn Höcke auf, auf die Knie zu fallen und um Vergebung für die deutschen Verbrechen des Zweiten Weltkriegs zu bitten. Zusätzlich hatten sie, nach eigenen Angaben, Björn Höcke über Monate beobachtet.

Im Erfurter Landtag sagte der CDU-Mann Carius: „Hier wird unter dem Deckmantel künstlerischer Freiheit, ein skandalöser Angriff auf die Freiheit des Mandats, die Unversehrtheit einer Person, von Familie und Privatsphäre unternommen.“ Derzeit werde geprüft, ob ein Straftatbestand vorliege, sagte eine Polizeisprecherin am Donnerstag.

Baurechtlich abgesichert

Hinsichtlich der Bauordnung haben sich die Aktivisten nach eigenen Angaben abgesichert. Die höchsten Stelen des „Originals“ in Berlin sind zwei Meter hoch. Auf Privatgrundstücken dürften Kunstwerke eine Höhe von vier Metern nicht überschreiten. Thilda Rosenfeld erklärte auf Nachfrage:

Das Denkmal ist verfahrensfrei im Sinne des § 60 Abs. 1 Nr. 15 d) Thüringer Bauordnung. Bauordnungsrechtliche und bauplanungsrechtliche Vorschriften wurden eingehalten.


Was war passiert?

Dort, vor dem braunen Haus, das Höcke als sein Refugium und Inspirationsraum bezeichnet, stehen seit Mittwochmorgen 24 Betonstelen. Sie bilden einen kleinen Ableger des Berliner Holocaust-Denkmals, das für die von den Nazis ermordeten Juden Europas steht.

Denkmal vor Höckes Haus; Foto: Screenshot/ Youtube.com/ Zentrum für Politische Schönheit

Das ist es: Höckes persönliches Holocaust-Mahnmal.

Screenshot/ Youtube.com/ Zentrum für Politische Schönheit

Das ist nicht etwa Zufall, sondern die Abrechnung mit ZPS für eine Äußerung von Höcke im Januar. Der hatte damals in seiner Dresdner Rede das Holocaust-Denkmal in Berlin als ein „Denkmal der Schande“ bezeichnet. Das deutsche Volk sei das einzige Volk auf der Welt, das sich ein solches Denkmal der Schande mitten in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt habe, so Höcke im Januar.

Protestgruppe kaufte das Grundstück neben Höcke

Der Auftritt Höckes hatte bereits im Januar für heftige Kritik gesorgt.

Häuser in Bornhagen; Foto: screenshot/ YouTube.com/ Zentrum für Politische Schönheit

In einem Video zeigt die Protestgruppe, wo sich das von ihnen gekaufte Grundstück befindet.

screenshot/ YouTube.com/ Zentrum für Politische Schönheit

So hatte ein Bundestagsabgeordneter der Linken Strafanzeige erstattet – die Ermittlungen wurden aber bereits im März eingestellt. Außerdem hatte der Zentralrat der Juden die Äußerung scharf kritisiert. Die Protestgruppe des ZPS hatte ebenfalls reagiert – und bereits vor zehn Monaten ein Grundstück gekauft, das unmittelbar an Höckes Grundstück angrenzt. Nach eigenen Angaben beobachtete die Gruppe Höcke über zehn Monate und stellte dann das Holocaust-Mahnmal auf.

AfD spricht von „psychologischer Kriegsführung“

Der AfD-Landessprecher in Thüringen, Stefan Möller, warf dem ZPS psychologische Kriegsführung gegen Höcke und seine Familie vor. Die Aktivisten hätten Höckes Familie monatelang ausgespäht. Auch der AfD-Vorsitzende im Bundestag, Alexander Gauland, fand deutliche Worte: „Dieser Vorfall zeigt, dass der politische Umgang in Deutschland auf einem Tiefpunkt angelangt ist.“

Breaking News: Das Mahnmal vor Höckes Haus wurde soeben fertiggestellt. Hier ist das erste Foto! Wir danken allen...

Posted by Zentrum für Politische Schönheit on Wednesday, November 22, 2017

Initiative sammelt Geld, um das Mahnmal zu erhalten

Finanziert wird die Aktion über einen Spendenaufruf. Das Ziel von 28.000 Euro für die Finanzierung und die Erhaltung des Baus für weitere zwei Jahre wurde in weniger als vier Stunden erreicht. Um das Mahnmal so lange wie möglich zu erhalten, sammelt die Protestgruppe weitere Spenden. Der Erhalt koste jährlich etwa 8.400 Euro, wie auf der Internetseite der Gruppe zu lesen ist.

Wer ist das „Zentrum für Politische Schönheit“ (ZPS)?

Auf ihrer Webseite bezeichnet sich die Protestgruppe selbst als „eine Sturmtruppe zur Errichtung moralischer Schönheit, politischer Poesie und menschlicher Großgesinntheit“. Grundüberzeugung des ZPS sei es demnach, „die Lehren des Holocaust durch die Wiederholung politischer Teilnahmslosigkeit, Flüchtlingsabwehr und Feigheit zu annullieren und aus der Geschichte Deutschlands nicht nur zu lernen, sondern auch zu handeln“.