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Die Nachricht kam per Mail: Tesla-Chef Elon Musk hat seine Mitarbeiter darüber informiert, dass er jeden neunten von ihnen entlassen wird. Das wären mehr als 3.000 Beschäftigte.

Der Elektroauto-Produzent müsse beweisen, profitabel arbeiten zu können, schrieb Elon Musk in seiner E-Mail an die Angestellten. Sonst könne der Wandel hin zu sauberen Energieformen nicht beschleunigt werden.

Zu den Hintergründen und über die Zukunft von Tesla hat SWR3-Moderator Marcus Barsch mit Andreas Reinhardt aus der SWR-Wirtschaftsredaktion gesprochen:

Wie steht Tesla als Unternehmen momentan da?

Andreas Reinhardt: Tesla kämpft gerade. Die größte Baustelle ist die Massenproduktion von Autos, was aber noch nicht wie geplant klappt. Zur Zeit laufen gerade einmal 10.000 Stück des Models 3 vom Band, angepeilt waren aber mal 500.000 im Jahr – die Zahl ist einfach nicht mehr zu schaffen. Zum Vergleich: VW stellt 500.000 Autos in einem Monat her.

Tesla kämpft auch um seinen guten Ruf, eine coole Firma zu sein. Es gibt Probleme mit dem autonomen Fahren, mit der Funktion des Autopilot. Da kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Unfällen, auch zu tödlichen.

Wie sind die Prognosen? Wird es Tesla noch länger geben oder sind die bald pleite?

Die Pleite steht jetzt nicht direkt vor der Tür. Tesla gibt es seit 15 Jahren – und das Unternehmen schreibt seitdem kontinuierlich Verluste. Anfang Mai gab es die Quartalszahlen, da standen 710 Millionen Dollar Minus an der Tafel. An der Börse hat Tesla aber einen Wert von etwa 50 Milliarden Dollar. Das heißt, das Unternehmen kann noch eine ganze Weile durchhalten, aber dafür müsste es jetzt auch mal richtig losgehen mit der Massenfertigung.

Wie geht es weiter, wenn die Massenfertigung weiter nicht klappt wie gewollt?

Im Moment glauben die Investoren noch weiter an Elon Musk, den charismatischen Visionär, und dass Tesla so ein bisschen wie Apple für die Autos wird. Aber die wollen jetzt langsam mal Erfolge sehen und wenigstens einen kleinen Gewinn. Deswegen finden es die Investoren toll, dass rund 3.000 Mitarbeiter rausgeworfen werden, der Börsenkurs ist erst einmal gestiegen.

Die Kunden wollen das aber gar nicht. Geschätzt 400.000 Kunden haben ein Model 3 bestellt und dafür auch 1.000 Dollar angezahlt. Ein Viertel der Kunden soll schon abgesprungen sein, weil es ihnen einfach zu lange dauert, bis das Auto dann vor der Tür steht. Mittlerweile gibt es ja auch von anderen Herstellern ganz schicke Autos. Tesla muss jetzt also wirklich in die Spur kommen.

Was müsste Tesla anders machen, um mit anderen Automarken zu konkurrieren, die so langsam mit Technik und Know-How überholen?

Tesla ist noch führend bei Technologien für Batterien, für die Lade-Infrastruktur und beim autonomen Fahren. Aber die große Konkurrenz sitzt in China. Die werden in den nächsten Jahren so viele E-Autos herstellen, da kann Tesla gar nicht so schnell nachkommen. Das Unternehmen investiert momentan viel Geld in die Forschung, da müsste etwas umgeschichtet werden. Es müsste mehr Geld in die Fabriken und in die Logistik investiert werden. So, dass sie einfach mehr Autos auf die Straßen bringen – nur dann hat Tesla eine Chance.

Autor
SWR3