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Das Kölner Amtsgericht urteilte heute über einen 49-Jährigen, der Skizzen aus der Altpapiertonne des berühmten Künstlers Gerhard Richter mitgenommen hatte. Die Entwürfe aus dem Müll sollen immerhin 60.000 Euro wert gewesen sein – Richter wird seit 15 Jahren als wichtigster Künstler der Gegenwart gehandelt.

Es handelte sich bei der Tat laut dem Amtsgericht Köln um Diebstahl. Obwohl die Bilder laut Angabe des Diebes auf der Straße gelegen hätten, nachdem die Mülltonne durch einem Windstoß umgefallen sei, waren die Skizzen dennoch nach wie vor Eigentum des Künstlers.

„[Der Künstler] hatte den Willen, die Bilder zu entsorgen.“

Richterin des Kölner Amtsgerichts in ihrem Urteil

Dieb muss Geldstrafe zahlen

Der 49-jährige Dieb soll im Juli 2016 vier Entwürfe aus der Altpapiertonne vor Richters Haus im Villenviertel Köln-Hahnwald entwendet haben. Dann soll er versucht haben, sie einem Auktionshaus zum Kauf anzubieten.

Die nicht signierten Skizzen wurden vorläufig auf einen Wert von 60.000 Euro geschätzt. Sie sind nach Angaben von Experten auf dem Kunstmarkt nicht verkäuflich. Der Dieb muss dennoch eine Geldstrafe von 3150 Euro zahlen (in 90 Tagessätzen zu je 35 Euro).

Wieso ist der Müll so teuer?

Der Maler Gerhard Richter wird als wichtigster Künstler der Gegenwart gehandelt. Seit 15 Jahren führt er den so genannten Kunstkompass der Zeitschrift Capital an. Richters Werke wechselten in den vergangenen Jahren bei Kunstauktionen für bis zu 41 Millionen Euro den Besitzer.

Richter hat laut seinem Anwalt kein persönliches Interesse an der Verurteilung des Angeklagten. Der Künstler selbst wünscht sich vor allem, dass die Zeichnungen „wie ursprünglich beabsichtigt auch tatsächlich vernichtet würden“.


Autor
SWR3