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Zehn Tage hatten Tiger Asim und Tigerin Melati Zeit, sich im Londoner Zoo kennenzulernen. Danach sollten sie sich paaren. Jetzt ist die Tigerin tot und der Zoo soll schuld daran sein.

An Tigerin Melati hat es vermutlich nicht gelegen: Die zehnjährige Raubkatze im Londoner Zoo hatte bereits eine längere „Beziehung“ hinter sich und galt als sanft und freundlich.

Laute des Wohlgefallens

Vergangenen Freitag traf sie das Schicksal: Asim heißt der Killer, der ihr den Garaus gemacht hat, statt mit ihr gemeinsam kleine Sumatra-Tiger zu zeugen. Hier ein Bild des Übeltäters:

Tiger Asim; Foto: Reuters

Tiger Asim kurz nach der Ankunft in London

Reuters

Zehn Tage hatte man die beiden in benachbarten Käfigen gehalten. Alles schien bestens zu laufen: Die beiden beschnupperten sich und schnurrten sich an. Asim, der bisher noch nicht negativ aufgefallen war, gab Laute von sich, die die Tiger-Experten des Zoos als Zeichen des Wohlgefallens deuteten.

Lärm, Geschrei, Kamerablitze – aus...

Doch weit gefehlt: Als die Wärter schließlich die Tür öffneten und sich ein Schauspiel von Liebe und Leidenschaft erhofften, floss Blut: Unmittelbar ging der siebenjährige Asim auf die zehnjährige Melati los und zerfleischte sie zum Entsetzen der Zuschauer.

Nichts habe ihn davon abgehalten, heißt es: Weder eine Alarmsirene, noch Schreie, Lärm oder Kamerablitze hätten den Tiger gestoppt. Als man ihn endlich in einen anderen Käfig gelockt hatte, war Melati bereits tot.

Im Zoo ist man verständlicherweise untröstlich: „Heute ist unsere geliebte Sumatra-Tigerin Melati gestorben, als sie zum ersten Mal dem neuen Männchen Asim vorgestellt wurde“, schreibt der Zoo auf Twitter über einem Bild von Melati. „Wir vom Londoner Zoo sind untröstlich. Unser Tiger-Gehege bleibt geschlossen, während wir uns jetzt um Asim kümmern.“

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„Unglaublich. Unprofessionell. Grausam.“

Sumatra-Tiger – die kleinste Tiger-Art der Welt – sind gefährdet: Nur 400 von ihnen leben noch in freier Wildbahn. Entsprechend sind Zoos bemüht, für Nachwuchs zu sorgen.

Und Melati hatte bereits fünf Junge mit dem Tiger Jae Jae. Der „arbeitet“ mittlerweile in Paris an der Erhaltung seiner Art. Paare wie Melati und Jae Jae werden nach einiger Zeit getrennt, um sicherzustellen, dass Nachwuchs in Zoos genetisch nicht verarmt.

Was aber ist mit Asim schief gelaufen? Auch er galt als „charmant“ gegenüber Damen und allgemein als umgänglich. Viele geben jetzt dem Zoo die Schuld: „Warum in aller Welt lässt man zwei Tiger nach nur zehn Tagen zueinander?!“, fragt eine Userin unter dem Tweet des Zoos. „Ich würde meine Katze nicht nach so kurzer Zeit mit einer neuen Katze zusammentun. Unglaublich. Unprofessionell. Grausam."

Twitter-Reaktionen von dieser Sorte gibt es einige. Andere machen sich darüber lustig: „Du glaubst, du bist Expertin, weil du eine Katze hast?“, schreibt einer. „Jede Menge Heim-Experten, hier“, heißt es auch.

Bekannt ist: Tiere reagieren im Zoo anders als in freier Wildbahn, haben andere Ängste und fühlen sich von anderen Dingen bedroht. Und vielleicht hat der Zoo auch nichts falsch gemacht. Die Verantwortlichen haben jedenfalls Aufklärung versprochen.

Autor
Christian Kreutzer
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SWR3