Die Lufthansa kauft Teile der insolventen Air Berlin. Ein Großteil der Air-Berlin-Flotte wird demnach an die Lufthansa gehen.

Der Verkauf von großen Teilen der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin an die Lufthansa ist fix. Das teilte Air Berlin am Donnerstag mit. Für voraussichtlich etwa 210 Millionen Euro übernimmt Lufthansa die Tochtergesellschaften Niki und die Luftfahrtgesellschaft Walter. Außerdem sollen 1.300 Beschäftigte eingestellt werden und dazu noch 20 weitere Flugzeuge an Lufthansa gehen. Eine Einigung mit dem Bieter Easyjet, mit dem ebenfalls über Unternehmensteile verhandelt worden war, steht dagegen noch aus.

Air Berlin hatte am 15. August Insolvenz angemeldet. Mit dem Geld aus dem Lufthansa-Geschäft will die Fluggesellschaft den Bundeskredit von 150 Millionen Euro zurückzahlen, der die Airline seit zwei Monaten über Wasser hält.

Ab Sonntag schon keine Langstreckenflüge mehr

Ab 28. Oktober wird Air Berlin demnach keine eigenen Flüge mehr anbieten. Die Airline ist danach nur noch Dienstleister für die Käufer – bis die EU-Wettbewerbshüter den Verkauf geprüft haben. Die europäischen Kartellbehörden prüfen noch, ob Lufthansa mit dem Ankauf der Air-Berlin-Anteile womöglich ein Monopol erhält, das die Konkurrenz benachteiligt. Wer die übrigen Teile von Air Berlin kauft, ist noch offen.

Was Air-Berlin-Reisende wissen müssen:

Bereits am Sonntag werden die letzten Langstreckenflüge der insolventen Airline eingestellt. Für Flugreisende mit Air-Berlin-Tickets stehen die ersten Auswirkungen der Pleite mitsamt gestrichener Flüge bereits fest: 100.000 Langstreckentickets verfallen, ebenso viele Kurzstreckentickets sind betroffen.

Wer sein Ticket vor dem 15. August – dem Datum der Insolvenz-Bekanntgabe – gebucht hat, bekommt von seinem gezahlten Geld nichts zurück. Die Tickets verfallen einfach. Für Buchungen nach dem 15. August hat Air Berlin angekündigt, die gezahlten Ticketpreise zu erstatten.

Ob solche offenen Entschädigungen tatsächlich gezahlt werden, ist laut Verbraucherzentrale aber noch offen. Viele andere Gläubiger wollen auch ihr Geld von der insolventen Airline – und die meisten haben im Insolvenzverfahren Vorrang.