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Wir hatten es uns schon gedacht – jetzt haben Max-Planck-Forscher den Nachweise erbracht: Das weibliche Gehirn ist genauso sexorientiert, wie das männliche.

Ein paar optische Reize, und schon sind Männer erregt; Frauen sind viel vernünftiger, rationaler – das ist das gängige Klischee. Tübinger Hirnforscher räumen damit auf.

Betrachtet man die spontane, nicht kontrollierbare Reaktion des Gehirns auf erotische Filme und Bilder, so findet man keine geschlechtlichen Unterschiede, sagen die Wissenschaftler vom Tübinger Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik.

Über 60 Studien sprechen eine klare Sprache

Die Forscher haben Daten aus über 60 Studien aus verschiedenen Ländern verglichen, an denen insgesamt 1.850 Testpersonen mitgemacht haben. Die Ergebnisse stellen die herkömmliche Sichtweise auf das menschliche Sexualverhalten also grundlegend in Frage. Frühere Studien hatten das Klischee noch untermauert, dass das männliche Gehirn sexorientierter ist als das weibliche.

Im SWR3-Interview erkärt Hamid Noori, Mitautor der Meta-Studie, was Männer und Frauen alles nicht unterscheidet:

„Frauen sind auch ‚Sex-Primaten‘“; Foto: picture alliance / blickwinkel

Nachrichten „Frauen sind auch ‚Sex-Primaten‘“

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Die Tübinger Forscher des Max-Planck-Instituts vermuten, dass bei diesen Studien zu wenige Versuchspersonen beteiligt waren. Außerdem können hormonelle Unterschiede sowie unterschiedliche subjektive Wahrnehmungen oder sexuelle Motivationen die früheren Untersuchungsergebnisse beeinflusst haben.

Während bei der Aktivität im Hirn beim Betrachten erotischer Bilder und Filme keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu beobachten waren, stellten die Forscher fest, dass die sexuelle Orientierung eine Rolle spielt: Heterosexuelle reagierten stärker auf die optischen Reize als Homosexuelle.