Jetzt ist es also passiert: Im Westen der Antarktis ist ein riesiger Eisberg von einer Eisplatte abgebrochen. Wissenschaftler sprechen von einem der größten Eisberge, den sie je gesehen haben. Sie haben seit Monaten vom Weltall aus beobachtet, wie das Eis zerreißt.

Der Eisberg hat gigantische Ausmaße: 175 Kilometer lang, bis zu 50 Kilometer breit. Das entspricht sieben mal der Fläche Berlins. Bis der Berg geschmolzen ist, vergehen Jahre. Der Eisberg war bisher Teil des Larsen-C-Schelfeises. Das ist eine riesige Eisplatte in der Antarktis, südlich von Südamerika.

Eine Eisfläche in der Antarktis mit einem Riss; Foto: NASA

Der Riss im Larsen-C-Schelfeis vor einigen Monaten, fotografiert von einem Forschungsflugzeug aus.

NASA

Die Europäische Weltraumagentur ESA hat mit ihren Sentinel-Satelliten den Riss im Larsen-C-Schelfeis schon seit vielen Monaten beobachtet. Mit dem Material haben Wissenschaftler der Universität Leeds im April ein Video veröffentlicht, das zeigt, wie der Riss im Larsen-C-Schelfeis gewachsen ist.

Schelfeis schwimmt auf dem Meer und ist gleichzeitig mit Gletschern auf dem Festland verbunden. Die Gletscher wachsen, wandern Richtung Meer und füttern so das Schelfeis.

Dass die Teile, die ins Meer ragen, abbrechen, ist ganz normal. Dass dabei aber so riesige Eisberge entstehen, ist sehr selten.

Da fragt man sich natürlich: Hat der Klimawandel etwas mit dem Mega-Eisabbruch zu tun? Britische Forscher der Universität Swansea beobachten die Gegend seit Jahren. Sie konnten bisher keine direkte Verbindung herstellen zwischen dem Klimawandel und dem Eisabbruch.



Der Meeresspiegel steigt durch den Eisberg übrigens nicht an. Das Eis ist ja schon vorher im Wasser geschwommen. Geschmolzen ergibt es genauso viel Wasser, wie es als Eis verdrängt.

Dennoch machen die Experten sich Sorgen um das Larsen-C-Schelfeis. „Es ist der weiteste Rückzug des Eises seit Beginn der Aufzeichnungen“, sagt Martin O'Leary vom Midas-Projekt der Universität Swansea. Er und seine Kollegen befürchten, das gesamte Larsen-C-Schelfeis könnte in den nächsten Jahren genauso zerbröckeln, wie eine Schelfeisfläche weiter nördlich vor einigen Jahren.