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Acht Jahre lang haben Wissenschaftler auf diesen Moment gewartet – das deutsche Forschungsschiff „Polarstern“ bricht zu einer Mega-Expedition in die Arktis auf. Der Plan heißt: festfrieren und mittreiben.

Allein die Zahlen lassen aufhorchen: 19 beteiligte Länder, 600 Wissenschaftler, fünf Eisbrecher und ein Budget von 140 Millionen Euro. Die Expedition namens Mosaic (Multidisciplinary drifting Observatory for the Study of Arctic Climate) setzt neue Maßstäbe. Noch nie war ein so großes Team von Wissenschaftlern während der Polarnacht in der Arktis unterwegs.

Mega-Expedition: „Polarstern“ startet in die Arktis; Foto: imago images / Bluegreen Pictures

Wie hier bei einem früheren Einsatz wird die „Polarstern“ auf einer riesigen Eisscholle durch die Arktis treiben.

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Schiff wird ein Jahr lang auf einer Riesen-Eisscholle mittreiben

Die Expedition startet vom norwegischen Hafen Tromsö – und endet vorerst auf Eis, denn: Die „Polarstern“ wird sich ein ganzes Jahr lang durch das Eis am Nordpol treiben lassen. Dafür dockt das Forschungsschiff an einer riesigen Eissscholle an und lässt sich dort festfrieren. Auf der Eisscholle werden dann Hunderte von Messgeräten aufgebaut. Das Auswerten der Daten wird Jahre dauern.

Mega-Expedition: „Polarstern“ startet in die Arktis; Foto: imago images / Bluegreen Pictures

So sieht es im Inneren des riesigen Forschungsschiffes aus.

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Die Expedition hat ein historisches Vorbild. Der norwegische Polarforscher Fridtjof Nansen hatte vor mehr als 125 Jahren dieselbe Route schon einmal zurückgelegt. Er war es, der die Eisdrift entdeckt hat. Also den Umstand, dass das Eis über dem Nordpol der Erde keine stabile Masse, sondern in ständiger Bewegung ist. Es schiebt sich grob gesagt von Sibirien aus über den Pol in Richtung Grönland. Ganze drei Jahre hat die bahnbrechende Expedition der damals gedauert, von 1893 bis 1896.

Acht Jahre Planung

Nun also geht die „Polarstern“ wieder auf dieselbe Route. Warum erst jetzt? „Weil wir es jetzt erst können“, sagt Markus Rex, Polarforscher des Alfred-Wegener-Instituts und der Leiter der Expedition. Acht Jahre hat die Planung und Vorbereitung gedauert. Um ein Jahr im Eis überwintern zu können, muss die „Polarstern“ mehrmals mit Treibstoff und Nachschub versorgt werden. Dafür machen sich Eisbrecher auf den Weg zum Pol. Außerdem sind auch mehrere Flugzeuge und Hubschrauber Teil der Expedition.

Von der ISS kommt man schneller wieder auf die Erde zurück als von der „Polarstern“ nach Bremerhaven.

Markus Rex, Expeditionsleiter Alfred-Wegener-Institut

An Bord der „Polarstern“ sind Biologen, Physiker, Meereis-Spezialisten und Klimaforscher, denn die Expedition arbeitet interdisziplinär – auch Journalisten sind dabei.

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Forschungsschiff soll Klimawandel untersuchen

Aber es gibt noch einen Grund, weshalb eine solche Expedition erst heute möglich wurde: der Klimawandel. Ohne die dramatischen Veränderungen in der Arktis hätte das Alfred-Wegener-Insitut niemals die Unterstützung und das Bugdet für die Expedition zusammenbekommen – die Welt will verstehen, was in der Arktis passiert. Die Mosaic-Expedition ist auch ein Wettlauf gegen die Zeit: Erstens muss bis zum Einbruch der Dunkelheit während des polaren Winters die richtige Eisscholle gefunden werden und zweitens verändere sich das Klimasystem der Arktis rasant, sagen die beteiligten Forscher.

Mega-Expedition: „Polarstern“ startet in die Arktis; Foto: imago images / Bluegreen Pictures

Die Forscher auf der „Polarstern“ hoffen, durch die Expedition den Klimawandel besser zu verstehen.

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Arktis 15 Grad wärmer bis 2100?

Schon heute sind die Veränderungen mit bloßem Auge zu sehen: Das Meereis geht dramatisch zurück. Im Sommerhalbjahr sind immer größere Flächen in der Arktis eisfrei. Das dunkle Wasser nimmt dann deutlich mehr Wärme durch das Sonnenlicht auf als das weiße Eis. Die Wassertemperaturen steigen, noch mehr Eis schmilzt. Nach Berechnungen einiger Klimamodelle wird sich die Arktis bis zum Ende des Jahrhunderts um bis zu 15 Grad im Schnitt erwärmen. Die Folgen auch für Europa wären dramatisch. Denn das gemäßigte Klima bei uns ist maßgeblich von einer kalten Arktis abhängig. Nur an den beiden Polen kann die Erde Energie abgeben, die sie in den warmen Regionen rund um die Äquator aufnimmt.

Warme Arktis - noch wärmere Erde

Expeditionsleiter Markus Rex ist seit fast 30 Jahren immer wieder für Forschungsexpeditionen in der Arktis unterwegs. Früher, erinnert er sich, seien sie häufig mit dem Schneescooter über den zugefrorenen Fjord gefahren. Heute gibt es dort schon seit Jahren selbst im Winter kein Eis mehr.

Erst wenn wir das Klima der Arktis verstehen, verstehen wir das Klima unsere Welt.

Markus Rex, Expeditionsleiter Alfred-Wegener-Institut


Schutz vor Eisbären nötig

Die größte Gefahr für die Menschen an Bord der „Polarstern“: Eisbären. Da diese in der Dunkelheit kaum zu erkennen sind, überwacht eine 360-Grad-Infrarotkamera an Bord rund um die Uhr die Umgebung des Schiffes. Außerdem wird das Forschungsschiff mit einem Alarmdraht gesichert, der bei Berührung kleine Explosionen auslöst. Das soll die Eisbären abschrecken. Wenn auch das nicht hilft, muss notfalls auch zur Schusswaffe gegriffen werden. Wie groß die Wahrscheinlichkeit sei, einem Eisbären zu begegnen? Bei dieser Frage sind sich die Wissenschaftler einig: „Sie liegt bei 100 Prozent“.