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Lena Seiferlin
Lena Seiferlin, SWR3; Foto: SWR3
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Sie wollen beide in die USA und beide an die Ostküste. Bei der Kanzlerin ist sogar das Weltklima der Grund. Trotzdem fliegen sie und Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer in zwei getrennten Flugzeugen.

Eigentlich war alles schon geplant. Ein gemeinsamer Hinflug von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (beide CDU) war bereits organisiert, Linienflugtickets für AKKs Rückflug bestellt.

Fast zur gleichen Zeit, zum fast gleichen Ort

Doch plötzlich wurde der Plan umgeschmissen und nun fliegen Merkel und AKK nur zwei Tage nach Verabschiedung des Klimapaketes der Großen Koalition in zwei getrennten Flugzeugen an die US-Ostküste. Und das, obwohl sie fast gleichzeitig dort sein wollen.

Annegret Kramp-Karrenbauer und Angela Merkel: Beide fliegen zur etwa gleichen Zeit in die USA – mit zwei Flugzeugen.; Foto: picture alliance/Michael Kappeler/dpa

Annegret Kramp-Karrenbauer und Angela Merkel

picture alliance/Michael Kappeler/dpa

Für Merkel geht es um den Klimagipfel der Vereinten Nationen. Fliegen ist mit das Schlimmste, was ein einzelner Mensch gegen den Klimaschutz tun kann.

Kramp-Karrenbauer trifft den US-amerikanischen Verteidigungsminister in Washington. Sie sollte mit ihrer Delegation im Flugzeug der Kanzlerin mitfliegen, in dem auch schon Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) reist.

Tickets für AKKs Rückflug waren schon bestellt

Der Airbus A340 sollte einfach zuerst in New York zwischenlanden und dann weiterfliegen nach Washington. Zurück wollte Kramp-Karrenbauer am Montagabend einen Linienflug nehmen. Die Tickets dafür waren bereits bestellt.

Dann soll das Kanzleramt dem Verteidigungsministerium klargemacht haben, dass nicht gewünscht sei, dass Kramp-Karrenbauer mitfliegt. Das berichtet die Bild am Sonntag. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte: „Im Zuge der Planungen dieser Reise haben wir uns bemüht, den Einsatz der Flugzeuge zu optimieren.“ Ein konkreter Grund für die getrennte Anreise wurde demnach nicht genannt.

Mitreisender Journalist: „Instinktlosigkeit des Kanzleramtes“

Im Interview berichtet der Spiegel-Redakteur und Verteidigungsexperte Mathias Gebauer, dass es offenbar Bedenken seitens Merkels Team – nicht von der Kanzlerin selbst – wegen des Platzes gab. „Daraufhin hat man darauf gedrängt, ob Kramp-Karrenbauer nicht vielleicht mit einem eigenen Flugzeug fliegen kann“, berichtet Gebauer, der selbst mit der Verteidigungsministerin nach Washington unterwegs ist.

Er sagt, das Flugzeug der Kanzlerin „hätte genug Platz geboten“. Jedoch hätten Kramp-Karrenbauer und ihre Leute dort sitzen sollen, wo sonst die Journalistinnen und Journalisten unterkommen. „Das fand man unpassend“, sagt Gebauer. So eine Entscheidung zu treffen, kurz nach den Klimaprotesten am Freitag, zeige für ihn eine „gewisse Instinktlosigkeit“ seitens des Kanzleramtes.

Dazu kommt die Kostenfrage: „Dieses Extra-Flugzeug kostet, zumindest nach den Papieren, die mir vorliegen, zwischen 350.000 und 500.000 Euro“, berichtet Gebauer. Kurz vor Merkel und Müller fliegt auch schon Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) nach New York, am Dienstag außerdem noch Außenminister Heiko Maas (SPD).

SWR-Hauptstadtkorrespondent Dirk Rodenkirch sieht nun die Zeit der CO2-Rechner gekommen. Denn während der Wirbel um die beiden Flüge gemacht wird, gebe es durchaus gute Gründe dafür, wenn hochrangige Politikerinnen mit zwei Flugzeugen unterwegs sind. Anders als für den Wirbel – der dient vor allem dazu, Stimmung zu machen, kommentiert er:

Achtung Regierungsflieger: Die Zeit der CO2-Rechner hat begonnen; Foto: picture alliance/Isaac Buj/Europa Press/dpa (Archiv)

Nachrichten Achtung Regierungsflieger: Die Zeit der CO2-Rechner hat begonnen

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Vorher schon UNO-Jugendgipfel für Klimaschutz

In der kommenden Woche treffen sich die Staats- und Regierungschefs und -chefinnen der Vereinten Nationen zum Klimagipfel. An diesem Wochenende trafen sich bereits Hunderte junge Menschen zum UNO-Jugendgipfel für Klimaschutz.

Generalsekretär Antonio Guterres lobte das Engagement der Jugendlichen. Sie hätten einen „Moment des Wandels“ herbeigeführt, sagte er. Zu dem Treffen hatten die Vereinten Nationen 500 Jugendliche sowie im Klimaschutz engagierte Unternehmerinnen und Unternehmer eingeladen.