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Hans Liedtke
Hans Liedtke, SWR3; Foto: SWR3
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Passanten hatten geholfen den Angreifer von London zu stoppen. Ein Pole soll jetzt für seine Zivilcourage ausgezeichnet werden. Er hatte den Attentäter mit einem Stoßzahn eines Narwals in Schach gehalten.

Der polnische Justizminister Zbigniew Ziobro will vorschlagen, dem Mann der geholfen hat den Angreifer in London zu stoppen, eine Medaille für Zivilcourage und Opferbereitschaft zu verleihen. Der Mann hatte den Stoßzahn eines Narwals offenbar von der Wand eines Gebäudes genommen und gegen den Attentäter gerichtet. Ein zweiter Mann habe dann dem Angreifer mit einem Feuerlöscher ins Gesicht gesprüht. So soll es ihnen gelungen sein, dem Attentäter zwei Messer zu entwenden, die er mit Klebeband an seinen Händen befestigt hatte.

Attentäter war verurteilter Terrorist

Der Londoner Attentäter war ein verurteilter Terrorist. Er war erst im vergangenen Jahr vorzeitig aus der Haft entlassen worden, wie der Chef der britischen Anti-Terror-Polizei mitteilte. Premierminister Boris Johnson sagte bei einem Besuch am Tatort, es ergebe „keinen Sinn, wenn Menschen, die wegen terroristischer Straftaten verurteilt wurden, vorzeitig entlassen werden.“ Die Terrormiliz Islamischer Staat reklamierte die Messerattacke für sich.

20.000 Polizisten mehr

Johnson sagte der BBC, er sei immer dagegen gewesen, dass Schwer- und Gewaltverbrecher vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen würden, insbesondere wenn es sich um Terroristen handle. Sowohl seine Partei, die Tories, als auch die oppositionelle Labour-Partei setzten ihren Wahlkampf aus. Sie versprachen, die Polizei um mindestens 20.000 Sicherheitskräfte aufzustocken.

Die Zahl der Polizeistreifen in der britischen Hauptstadt ist bereits jetzt erhöht worden. Es werde mehr sichtbare Präsenz von Beamten an diesem Wochenende geben, sagte der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan in einem Interview mit BBC Radio.

Zwei Menschen starben auf der London Bridge

Usman K. war 2012 wegen terroristischer Straftaten verurteilt worden. 2018 durfte er vorzeitig auf Bewährung aus dem Gefängnis. Laut der Zeitung Times hatte er dafür der Bedingung zugestimmt, eine Fußfessel zu tragen. Der britischen Nachrichtenagentur PA zufolge hatte er Verbindungen zu islamistischen Terrorgruppen.

Der Polizeichef sagte, nach möglichen weiteren Tätern werde derzeit nicht gesucht, die Ermittlungen liefen aber noch. Usman K. hatte am frühen Freitagnachmittag mehrere Menschen mit einem Messer auf der London Bridge angegriffen. Zwei starben, drei wurden verletzt und befinden sich laut Polizei im Krankenhaus. Die Polizei erschoss ihn, nachdem Passanten ihn offenbar zu überwältigen versucht hatten. Am Körper trug er die Fußfessel und laut Polizeichef auch eine Bombenattrappe.

Resozialisierungsprogramm vor dem Angriff

Vor dem Angriff habe er an einem Resozialisierungsprogramm für Ex-Häftlinge teilgenommen. „Zusammen lernen“ sei der Titel des Projekts der Cambridge Universität gewesen, berichten britische Medien.

„Wir gehen davon aus, dass der Angriff innen begann, bevor er das Gebäude verließ, und er auf der London Bridge weitermachte, wo er festgehalten und schließlich von bewaffneten Polizisten gestellt und erschossen wurde.“

Neil Basu, Chef der britischen Anti-Terror-Polizei