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Björn Widmann
Björn Widmann, SWR3; Foto: SWR3
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Die Großstädte in Baden-Württemberg machen sich fit für den Klimawandel: Klimanotstand in Konstanz, ein Sparpaket in Heidelberg – jetzt zieht Stuttgart mit einem millionenschweren Paket nach.

Baden-Württembergs Hauptstadt will 200 Millionen Euro investieren damit zum Beispiel die Energie- und die Verkehrswende schneller kommen als geplant. Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) stellte konkrete Ideen vor, mit denen Stuttgart klimafreundlicher werden soll.

In ihrem „Masterplan“ gegen den Klimawandel hat die Stadt schon das Ziel ausgegeben, bis zum Jahr 2020 im Vergleich zu 1990 etwa 20 Prozent weniger Energie zu verbrauchen. Außerdem sollte der Anteil von erneuerbaren Energien auf 20 Prozent steigen. Kuhn ergänze den Masterplan jetzt mit konkreten Vorschlägen.

Verbot von Heizpilzen, mehr Bäume und Hecken

In seinem Programm sind Änderungen beim Bau, bei der Stadtbepflanzung, bei der Nutzung von Solarstrom und im Straßenverkehr vorgesehen. Als Beispiele nannte Kuhn Flachdächer, die begrünt werden könnten oder Zuschüsse für den öffentlichen Nahverkehr. Außerdem will er prüfen lassen, ob Heizpilze verboten werden können. Die würden neben Wärme etliche Kilogramm Kohlenstoffdioxid pro Stunde ausstoßen. Pro Doppelhaushalt will Kuhn außerdem 1.000 zusätzliche Bäume und 25 Kilometer Hecken pflanzen lassen.

Stuttgart kämpft mit schlechter Luft

Vor allem im Sommer kämpft Stuttgart mit Hitze und schlechter Luft. Die Stadt schiebt das auf den Klimawandel. Immer wieder gibt es im Talkessel Feinstaubalarm. Solange der gilt, sollen die Stuttgarter ihre Autos stehen lassen und lieber Busse und Bahnen benutzen.

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Der Verkehr ist einer der großen Energiefresser. Durch die vielen Autos, Lastwagen und sonstige Fahrzeuge steigt der Ausstoß von schädlichem Kohlendioxid. Außerdem fahren immer noch viele alte Diesel durch die Straßen, die für die hohen Stickoxidwerte verantwortlich gemacht werden.

Klimanotstand in Heidelberg und Konstanz

Heidelberg; Foto: picture alliance / Ronald Wittek/dpa

Blick über die Alte Brücke in Heidelberg Richtung Schloss

picture alliance / Ronald Wittek/dpa

Andere Städte in Baden-Württemberg haben schon sichtbare Zeichen für den Klimaschutz gesetzt – die ganz ähnlich sind, wie die Ideen aus Stuttgart. Heidelberg und Konstanz haben schon den Klimanotstand ausgerufen, Karlsruhe will sich in der kommenden Woche entscheiden.

In Konstanz sollen Neubauten zusätzlich klimaneutral mit Energie versorgt werden. Außerdem prüft die Kommune jede Entscheidung des Gemeinderates darauf, ob sie relevant für das Klima ist. Die Idee für den Klimanotstand kam von der Klimaschutzbewegung „Fridays for Future“.

95 Prozent weniger CO2 in Heidelberg

Heidelberg möchte auf Dauer auch vom Kohlendioxid-Ausstoß wegkommen. Bis 2050 sollen die Emissionen im Vergleich zu 1990 um 95 Prozent gesenkt werden. Die Stadt will dafür ihre Energieversorgung schrittweise auf erneuerbare Energien umstellen.

In Tübingen ist Klimaschutz schon fast ein alter Hut. Als Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) vor 12 Jahren sein Amt angetreten hat, startete er gleich die Klimaschutzinitiative „Tübingen macht blau“. Die Etappenziele zum CO2-Ausstoß hat die Stadt seitdem alle erreicht.

Tübingen will klimaneutral werden

Trotzdem: Anfang der Woche hat die Stadt beschlossen, noch mehr für den Klimaschutz zu tun. Bis 2030 soll Tübingen klimaneutral sein – also keine energiebedingten Treibhausgase mehr ausstoßen.

Dass es für die Großstädte höchste Zeit ist, in Sachen Klima umzudenken, zeigt eine neue Studie aus der Schweiz. In mehr als Dreiviertel der 520 größten Städte der Welt werde sich das Klima bis 2050 drastisch verändern, schreiben Wissenschaftler der ETH Zürich.

London wird so warm wie Madrid

London; Foto: picture alliance/Kirsty O'connor/PA Wire/dpa

Blick über London

picture alliance/Kirsty O'connor/PA Wire/dpa

Auf der Nordhalbkugel sollen laut der Studie dann Klimaverhältnisse herrschen, wie sie heute noch mehr als tausend Kilometer weiter im Süden vorzufinden sind. In den Metropolen Europas würden die Sommer 3,5 Grad wärmer als heute, im Winter sogar 4,7 Grad, schreiben die Wissenschaftler im Magazin Plos One.

Beispiele in Europa gefällig? London soll Verhältnisse bekommen, wie heute in Barcelona, das Klima in Madrid werde dann den Bedingungen im marokkanischen Marrakesch heute entsprechen. Um die Studie zu berechnen, nahmen die Wissenschaftler an, dass die Durchschnittstemperaturen um 1,4 Grad ansteigen.

Für die Studie hatten die Forscher eine vergleichsweise optimistische Schätzung des globalen Temperaturanstiegs im Zuge des Klimawandels zugrunde gelegt. Für ihre Modellrechnungen nahmen sie an, dass die Durchschnittstemperaturen um 1,4 Grad ansteigen. Das Pariser Klimaabkommen von 2015 schreibt eine Begrenzung des Temperaturanstiegs unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter vor.

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Björn Widmann
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Mario Demuth
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