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Björn Widmann
Björn Widmann, SWR3; Foto: SWR3
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Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat entschieden, dass bei zwei Verurteilten erneut geprüft werden muss, ob sie nach der Haft in Sicherungsverwahrung müssen. Sie hatten einen kleinen Jungen jahrelang missbraucht.

Kindesmissbrauch Staufen; Foto: picture alliance/Patrick Seeger/dpa

Ein Mann aus Spanien war einer der Kinderschänder im Staufener Fall.

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Es war ein widerlicher und unfassbarer Fall: Eine Mutter aus Staufen bei Freiburg bietet ihren kleinen Sohn im Darknet an. Mehrere Männer „kaufen“ den heute Zehnjährigen mehrfach und missbrauchen ihn – jahrelang. Dafür werden die Mutter, ihr Lebensgefährte und sechs andere Kinderschänder zu langen Gefängnisstrafen verurteilt.

Vier der Kinderschänder kommen in Sicherheitsverwahrung, nachdem sie ihre Haftstrafen abgesessen haben. Aber was passiert mit den anderen beiden? Der Bundesgerichtshof hat jetzt entschieden, auch bei ihnen muss noch einmal geprüft werden, ob eine anschließende Sicherungsverwahrung anzuordnen ist.

Was ist da eigentlich passiert?

Mitte Januar letzten Jahres ist bekannt geworden, dass ein Junge aus Staufen jahrelang missbraucht wurde. Acht Kinderschänder aus dem In- und Ausland wurden angeklagt – unter ihnen auch die Mutter des Jungen und deren Lebensgefährte. Alle wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, vier der Kinderschänder auch mit anschließender Sicherheitsverwahrung.

Die Mutter und ihr Lebensgefährte hatten den Jungen im Darknet angeboten und ihn mehreren Männern zum Vergewaltigen überlassen. Das Paar hat den Jungen auch jahrelang selbst missbraucht. Die Taten passierten laut Landgericht Freiburg zwischen Februar 2015 und September 2017.

Was verhandelte der BGH?

Mutter des Opfers; Foto: picture alliance/Patrick Seeger/dpa

Die Mutter des Opfers vor Gericht

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Es ging um Revision in zwei Fällen. Die Staatsanwaltschaft wollte erreichen, dass ein Soldat der Bundeswehr und ein Mann aus Katalonien nach ihrer regulären Haftstrafe in Sicherheitsverwahrung kommen. Das hatte das Landgericht Freiburg zunächst in seinem Urteil abgelehnt.

Die beiden Männer waren vergangenes Jahr zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt worden – ohne anschließende Sicherheitsverwahrung. Dafür habe die notwendige Grundlage gefehlt, urteilte das Gericht. Zum Beispiel seien die Männer nicht vorbestraft gewesen. Nach dem BGH-Urteil muss das Freiburger Landgericht nun erneut prüfen, ob die beiden nach ihrer Haft in Sicherungsverwahrung müssen.

Nicht die erste Revision in diesem Fall

Der BGH hat vor wenigen Wochen schon die Revision eines Mannes aus dem schweizer Kanton St. Gallen verhandelt. Er war wegen des Missbrauchs an dem Jungen zu neun Jahren Gefängnis mit anschließender Sicherheitsverwahrung und einer Geldstrafe von 14.000 Euro verurteilt worden. Gegen die Sicherheitsverwahrung hatte der Mann Einspruch eingelegt – ohne Erfolg.

Harte Strafen für Mutter und Lebensgefährte

Schon im August vergangenen Jahres wurde die Mutter zu zwölfeinhalb Jahren Gefängnis und ihr einschlägig vorbestrafter Lebensgefährte zu zwölf Jahren mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt. Außerdem müssen beide Schmerzensgeld zahlen.

Die Mutter verzichtete auf eine Revision, das Urteil ist somit rechtskräftig. Ihr Lebensgefährte wollte ein anderes Urteil, zog seinen Antrag aber wieder zurück. Auch er ist somit rechtskräftig verurteilt.

Was ist mit dem Jungen?

Bundeswehrsoldat vor Gericht; Foto: picture alliance/Patrick Seeger/dpa

Ein Bundeswehrsoldat soll den Jungen jahrelang missbraucht haben

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Der ist seit der Festnahme seiner Peiniger in staatlicher Obhut. Das heißt, das Jugendamt hat die Aufsicht über den Jungen übernommen. Er lebt seitdem bei einer Pflegefamilie.

Neuer Missbrauchsfall in Staufen

Wie erst Anfang der Woche bekannt wurde, gibt es in Staufen einen neuen Fall von sexuellem Kindesmissbrauch. Zwei Pfadfinderbetreuer sollen dort Kinder missbraucht haben. Ein 41 Jahre alter Mann soll sich an vier Jungen zwischen acht und 14 Jahren vergangen haben. Ein 27-Jähriger an einem Mädchen.

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Björn Widmann
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Mario Demuth
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