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Fast 50 Jahre lang waren die Gesteinsproben von der Mondoberfläche hermetisch verschlossen. Die NASA wollte auf einen Zeitpunkt warten, an dem der Menschheit bessere Technologien für ihre Untersuchung zur Verfügung stehen. Jetzt ist es soweit.

Die Gesteinsproben stammen von den Apollo-Missionen 15, 16 und 17 in den Jahren 1971 und 1972. „Wir wollten immer, dass spätere Generationen mit besseren Messgeräten und Untersuchungsmethoden zu neuen Erkenntnissen kommen“, heißt es bei der NASA.

Fast 50 Jahre altes Mondgestein

Nach fast 50 Jahren werden sie nun untersucht. Durch eine Ausschreibung im Zusammenhang mit dem Budget für 2020 wurden neun Forscherteams ausgewählt, die als erste mit diesen Steinen arbeiten dürfen.

Das hat der Leiter der NASA, Jim Bridenstine, am Montag in einer Rede im Kennedy Space Center angekündigt. Er bedankte sich bei der „Apollo-Generation“ für den vorausschauenden Erhalt der Proben für die Nachwelt.

Neue Erkenntnisse über Weltraumwetter und Mondvulkane

Bei den Experimenten der Forschergruppen geht es unter anderem um den Einfluss des Weltraumwetters auf die Mondoberfläche, Altersbestimmung des Mondgesteins durch die darin enthaltenen Edelgase, kleine Glaskugeln, die bei einem Vulkanausbruch entstanden sind oder Meteoriteneinschläge im Lauf der Mondgeschichte.

Die drei Proben wurden mit drei verschiedenen Methoden vor der Erdatmospähre geschützt, entweder durch Vakuum, durch Einfrieren oder durch Lagerung in Helium.

Die durch Vakuum geschützte Probe von der Apollo-17-Mission ist dabei besonders interessant: Es handelt sich um 800 Gramm Gestein aus einem Röhrchen, das in die Mondoberfläche gesteckt wurde. Aus ihr könnten die Forscher mehr über die einzelnen Schichten des Mondes erfahren.

Harrison Schmitt Probe Apollo 17; Foto: dpa/picture-alliance

Harrison Schmitt, der erste Geologe auf dem Mond, nimmt eine Probe bei der Apollo-17-Mission im Dezember 1972

dpa/picture-alliance

Die NASA erwartet laut Bridenstein, dass sie bald wieder Proben auf dem Mond nehmen kann. Das Budget der Behörde für 2020 ist eines der großzügigsten in seiner Geschichte. Es enthält auch Gelder, die speziell für Unternehmungen auf dem Mond gedacht sind. Das ist ein weiterer Grund, die Container nicht länger verschlossen zu halten.

Wie öffnet man eigentlich so einen Mondgesteins-Behälter?

Zunächst aber muss noch geklärt werden, wie man die Behälter öffnet, ohne dass der Inhalt gleich von der Erdatmosphäre verändert wird. Die erste Aufgabe der Forscherteams wird es also sein, herauszufinden, wie der Einfluss der Erdatmosphäre auf die Proben beim Öffnen so klein wie möglich bleiben kann, bei größtmöglichem Erkenntnisgewinn.

Autor
SWR3