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Björn Widmann
Björn Widmann, SWR3; Foto: SWR3
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Finley Point, mitten in Montana. In der Ödnis der Wildnis gibt es ein paar unverbesserliche Raser. Denen hat Patti Baumgartner den Kampf angesagt – auf ihre ganz eigene Art und Weise.

Patti Baumgartner; Foto: twitter.com/timmyb48

Versucht Raser mit ihrem Fön aufzuhalten: Patti Baumgartner

twitter.com/timmyb48

Montana. Einsamkeit. Cowboys. Und mittendin Missoula, die größte Stadt im Umkreis von hunderten Kilometern. 75.000 Menschen wohnen in der Montana-Metropole. Die Stadt hat berühmte Söhne wie Brandon Bryant, den Drohnen Pilot und Whistleblower. Oder den Biologen Leroy Hood. Zugegeben: „Twin Peaks“-Regisseur David Lynch kann man tatsächlich kennen. Ansonsten ist nicht viel los in Missoula. Und erst recht nicht 100 Kilometer weiter nördlich, in Finley Point.

Ruhig gelegen an einem See ärgern sich Patti Baumgartner und ihre Nachbarn in der Finley Point Road darüber, dass es immer wieder unverbesserliche Raser gibt, die ihre Straße hoch und runter donnern und damit das Leben ihrer Enkelkinder gefährden. Also hat Patti den Rasern den Kampf angesagt.

Patti sagt Rasern den Kampf an

„Mein Sohn Tim und ich haben überlegt, was denn die Autos zum langsamer Fahren bewegen könnte“, sagte Patti dem Fernsehsender KPAX. „Also haben wir beschlossen, dass ich mich an die Straße setze und meinen Fön in die Hand nehme.“

Mit dem Fön in der Linken und einem Drink in der Rechten setzte sich Patti vor ihr Haus. Mit Pantoffeln bekleidet auf einen Stuhl. Und hielt den Rasern ihren weißen Fön entgegen. Ihr Sohn Tim machte Fotos und twitterte sie dem Montana Highway Patrol Trooper Noah Pesola.

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Patti zum Hilfssheriff ernannt

Noah Pesola; Foto: twitter.com/TrooperPesola

Highway Trooper Noah Pesola überreichte Patti Baumgartner ein Abzeichen und einen Trooper-Hut

twitter.com/TrooperPesola

Pesola wiederum fand die Aktion lustig: „Ich denke, wir haben ein Problem mit der Geschwindigkeit in Montana. Ich fand es eine großartige, kreative Idee, dies ein wenig zu bekämpfen, ohne die Leute zu verärgern“, sagte der Highway Trooper und ernannte Patti zum „Montana Trooper“ – ehrenhalber.

Er überreichte der 66-Jährigen einen Hut der Trooper und ein Abzeichen, um Patti etwas offizieller aussehen zu lassen. „Sie hat damit aber keinen Beamtentitel. Ich wusste nur nicht, was ich sonst für sie hätte tun können, wenn sie etwas für die Gemeinde tut“, sagte Pesola.

Leider machten Pattis Fotos die Runde im Internet, bevor Pesola ihr das Abzeichen überreichen konnte – und so twitterte er: „Verflixt Patti. Ich habe Dir das Zeug umsonst überreicht.“ So zumindest antwortete er auf einen Tweet einer Twitter-Userin, die ihn darauf ansprach, wo der Hut und das Abzeichen auf Pattis Fotos denn nun geblieben seien.

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Fernsehen berichtet über Patti

Aber nicht nur Verkehrspolizist Pesola wurde auf Patti Baumgartner aufmerksam, auch das Fernsehen bekam Wind von der Sache und stattete der besorgten Großmutter einen Besuch ab. Patti selbst weiß gar nicht, ob ihre Aktion tatsächlich etwas gebracht hat. Ist aber auch egal, denn sie will sich mit ihrem Fön möglichst bald wieder an die Straße setzen, um die Raser zum Bremsen zu zwingen.

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