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Das Landgericht Wiesbaden hat den Mörder der 14-jährigen Mainzer Schülerin Susanna zur Höchststrafe verurteilt. Die Richter verhängten eine lebenslange Freiheitsstrafe gegen den 22-Jährigen.

Außerdem stellte da Gericht die besondere Schwere der Schuld fest. Eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren ist damit für den irakischen Flüchtling so gut wie ausgeschlossen. Einen ersten Antrag, aus dem Gefängnis entlassen zu werden, kann er frühestens nach 22 Jahren stellen.

Prüfung auf Sicherheitsverwahrung angeordnet

Das Landgericht hat außerdem entschieden, dass während der Haftzeit geprüft werden muss, ob Ali Bashar anschließend in Sicherheitsverwahrung kommt. Das bedeutet: Sollte sich im Gefängnis herausstellen, dass er nicht therapierbar und deshalb immer noch gefährlich ist, wird er vermutlich nicht mehr freikommen.

Der vorsitzende Richter begründete die Maximalstrafen vor allem mit der Persönlichkeit des Irakers. Er sei ein „kaltblütig agierender“ Täter, frauenverachtend und nur auf seine Bedürfnisbefriedigung aus. Ernstzunehmende Reue habe das Gericht nicht erkennen können.

Mit dem Urteilsspruch folgten die Richter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Vertreter der Anklage hatten dem irakischen Flüchtling vorgeworfen, Susanna erwürgt zu haben, um die Vergewaltigung zu verdecken.

Festnahme im Irak

Der Angeklagte hatte gleich zu Beginn des Prozesses gestanden, das 14 Jahre alte Mädchen aus Mainz in der Nacht zum 23. Mai 2018 in einem Waldstück bei Wiesbaden-Erbenheim getötet zu haben. Die vorausgegangene Vergewaltigung, die ihm die Anklage zur Last legte, bestritt er dagegen. Die Verteidigung hatte auf einen konkreten Strafantrag verzichtet.

Bild von Ali Baschar, kurz nachdem er im Juni 2018 aus dem Irak zurück nach Deutschland gebracht wurde.; Foto: picture alliance/Boris Roessler/dpa

Ali Baschar, kurz nachdem er im Juni 2018 aus dem Irak zurück nach Deutschland gebracht wurde.

picture alliance/Boris Roessler/dpa

Die Leiche der Schülerin war am 6. Juni 2018 in einem Erdloch in der Nähe von Bahngleisen gefunden worden. Rund zwei Wochen nach dem Verschwinden des Mädchens waren die Einsatzkräfte nach einem Zeugenhinweis auf das Versteck mit dem toten Mädchen gestoßen.

Am 8. Juni wird der heute 22-jährige, irakische Flüchtling Ali Bashar von kurdischen Sicherheitskräften im Nordirak festgenommen. Dorthin war er nach der Tat geflohen. Der Präsident der Bundespolizei, Dieter Romann, flog persönlich mit Spezialkräften nach Erbil und brachte den Iraker zurück nach Deutschland. Daran gab es aus dem Irak aber auch in Deutschland Kritik.

Opferschutzorganisation zufrieden mit Prozessverlauf

Die Opferschutzorganisation Weißer Ring ist mit dem Prozessverlauf aus Sicht der Angehörigen des getöteten Mädchens zufrieden. Die Familie von Susanna sei bereits vor der Verhandlung von Mitarbeitern des Weißen Rings eng betreut worden. Die Angehörigen seien stets informiert gewesen über den Stand der Ermittlungen und die Vorgänge bei Gericht. Die Zusammenarbeit habe sehr gut funktioniert. „Dem mutmaßlichen Täter gegenüber zu sitzen, war dennoch eine schwere Belastung“, betonte der Vertreter der Opferschutzorganisation. Die Familie der getöteten Susanna ist als Nebenkläger vor Gericht vertreten.

Bewegender Brief von Susannas Mutter

Susannas Mutter weinte während der Urteilsverkündung. Sie saß auch am letzten Prozesstag wieder neben ihrer Anwältin. In ihren Augen gibt es „die richtige Strafe für den Mörder“ ihrer Tochter eigentlich nicht. Sehr bewegend las sie in der vergangenen Woche nach den Plädoyers der Anwälte aus einem Brief. Darin beschreibt sie ihr Leid und ihre Hilflosigkeit. Sie säße bereits in einer Art Gefängnis, habe sozusagen lebenslänglich bekommen mit dem gewaltsamen Tod an ihrer Tochter.

Ali Baschar muss sich in einem weiteren Fall vor Gericht verantworten. Ihm wird die Vergewaltigung eines elfjährigen Mädchens vorgeworfen. Der Prozess wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

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