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Mario Demuth
Mario Demuth, SWR3; Foto: SWR3
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Das Landgericht Tübingen hat zwei Polizistinnen aus dem Kreis Reutlingen zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Richter sehen es als erwiesen an, dass beide versucht haben, den Ehemann einer der beiden Frauen mit Insulin zu töten.

Die 40-jährige Hauptangeklagte wurde zu einer Haftstrafe von zwölf Jahren verurteilt. Sie hatte im Prozess gestanden, ihrem Mann eine Überdosis Insulin gespritzt zu haben, um ihn zu töten. Ihre 42-jährige Kollegin soll das Medikament besorgt und ihr per Dienstpost geschickt haben. Sie wurde wegen Beihilfe zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt.

Die Komplizin habe als Diabetikerin gewusst, dass Insulin in hoher Dosis tödlich wirke, sagte der Vorsitzende Richter Ulrich Polachowski am Freitag bei der Urteilsverkündung.

Als Motiv sieht das Gericht die Angst der Hauptangeklagten, nach einer Trennung das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder zu verlieren.

Staatsanwaltschaft forderte lebenslange Haft

Bild des Gerichtssaals mit Richtern und Rechtsanwälten vor der Verhandlung Ende November in Tübingen im Fall der angeklagten Polizistinnen.; Foto: picture alliance/Tom Weller/dpa

Strenge Sicherheitsvorkehrungen: Aufnahmen der Angeklagten waren nicht gestattet. Das Bild zeigt Richter und Rechtsanwälte.

picture alliance/Tom Weller/dpa

Für die Staatsanwaltschaft war der Fall klar: Die Hauptangeklagte habe den Mordversuch lange geplant. Das sollen Chatverläufe belegen. Deswegen wurde für sie eine lebenslange Haftstrafe gefordert. Für die Kollegin der Frau forderte die Staatsanwaltschaft sieben Jahre wegen Beihilfe.

Die Verteidiger hingegen sprachen sich für deutlich geringere Haftstrafen aus. Die Hauptangeklagte sei in einem psychischen Ausnahmezustand gewesen.

Im Prozess legte die 40-jährige Polizistin ein Geständnis ab: Sie gab zu, ihren 52-jährigen Ehemann – ebenfalls ein Polizist – Insulin gespritzt zu haben, um ihn zu töten.

Sohn rettet Vater offenbar das Leben

Die Tat passierte im Februar. Nach der Insulin-Injektion drängte der gemeinsame Sohn darauf, den Rettungsdienst zu rufen. Der Ehemann kam mit Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus. Er erstattete Anzeige gegen seine Frau. Sie wurde festgenommen, kurze Zeit später auch ihre Kollegin.

Prozess unter strengen Sicherheitsvorkehrungen

Da es sich um zwei Polizistinnen handelt, die sich vor Gericht verantworten mussten, hatte der Prozess im November unter strengen Sicherheitsvorkehrungen begonnen. Die beiden Frauen saßen in Untersuchungshaft. Um ihre Identität zu schützen und aus Schutz vor Mitgefangenen, waren für Kamerateams selbst anonymisierte Aufnahmen der Angeklagten nicht gestattet.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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