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Björn Widmann
Björn Widmann, SWR3; Foto: SWR3
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Vor dem Landgericht Detmold haben zwei der drei Angeklagten zum Prozessauftakt ein Geständnis abgelegt. Ihnen wird vorgeworfen, jahrelang Kinder missbraucht und die Taten gefilmt zu haben.

Wohnwagen; Foto: picture alliance/Guido Kirchner/dpa

Völlig verdreckt: Der Wohnwagen von Dauercamper Andreas V.

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Seit zwei Jahrzehnten soll Dauercamper Andreas V. vor allem kleine Mädchen in seinem Wohnwagen auf dem Campingplatz Eichwald missbraucht haben. Die Staatsanwaltschaft Detmold wirft ihm fast 300 Straftaten vor – im Sommer 1998 und dann wieder von 2008 bis 2018. 23 Mädchen sollen Opfer von Missbrauch geworden sein.

Mit ihm sind zwei weitere Männer angeklagt: Mario S., der acht Mädchen und neun Jungen in 162 Fällen missbraucht haben soll – auch auf dem Campingplatz, zum Teil aber auch in seiner Wohnung. Und ein dritter Mann, er soll mindestens vier Webcam-Übertragungen angeschaut und zum Teil auch zu dem Missbrauch angestiftet haben.

Die Angeklagten Andreas V. und Mario S. räumten die Taten am Donnerstag vor dem Detmolder Landgericht weitestgehend ein.

Taten zum Teil gefilmt

Polizisten; Foto: picture alliance/Guido Kirchner/dpa

Polizisten sichern auf dem Campingplatz Beweise

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Andreas V. und Mario S. hatten außerdem hunderte Dateien mit Kinder- und Jugendpornografie besessen. Einige Kinder sollen von beiden Männern missbraucht worden sein, teilweise sollen die beiden ihre Taten auch gefilmt haben. Alle Opfer waren jünger als 18 Jahre – die jüngsten im Kindergartenalter.

Während der Ermittlungen wurden insgesamt 40 Opfer der mutmaßlichen Kinderschänder identifiziert. Angeklagt wurden die Missbrauchsfälle an 34 Kindern.

Untersuchungsausschuss soll Pannen aufklären

Es gab bei den Ermittlungen aber auch Pannen. Zum Beispiel sind 150 Datenträger aus einem Polizeiraum verschwunden – darauf waren Beweise für den Prozess. Außerdem sollen Jugendämter Hinweisen gegen Andreas V. nicht nachgegangen sein.

Mittlerweile beschäftigt sich auch der Landtag in Nordrhein-Westfalen mit dem Thema. Ein Untersuchungsausschuss soll das Fehlverhalten auf allen Ebenen und in allen Behörden aufklären.

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