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Der mutmaßliche Supermarkterpresser hat nach seiner Festnahme vor dem Haftrichter die Vorwürfe gegen ihn gestanden.

Versuchte räuberische Erpressung – so lautet der Vorwurf gegen den Verdächtigen. Am Freitagabend war er in Ofterdingen bei Tübingen festgenommen worden. Polizei und Staatsanwalt waren früh der „festen Auffassung“, dass es sich bei dem 53-Jährigen um den Gesuchten handelte.

Keine weiteren Lebensmittel vergiftet

Am Samstagabend gestand der Mann dann die Tat vor dem Haftrichter. Außerdem sagte er, er habe keine weiteren vergifteten Lebensmittel mehr in Umlauf gebracht.

Der Mann sei ein exzentrischer Einzelgänger, hatte der Konstanzer Polizeivize Michael Stürmer schon am Nachmittag gesagt. Es handele sich um einen Mann mit „Brüchen in der Biografie“ – mehr Angaben will er mit Rücksicht auf die Persönlichkeitsrechte des Festgenommenen nicht machen. Laut Oberstaatsanwalt Alexander Boger soll er eine „strafrechtliche Vorbelastung“ haben – auch die wird nicht näher bezeichnet.

Zu seinen möglichen Motiven soll sich der Mann bislang auch noch nicht geäußert haben. Der Tatverdacht habe sich aber seit der Festnahme „von Stunde zu Stunde weiter verdichtet“. Die Polizei geht von einem Einzeltäter aus.

Lebensmittelerpresser; Foto: dpa/picture-alliance

Pressekonferenz der Polizei.

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Chancen waren sehr gering

Hoher Fahndungsdruck und „gute“ Bilder von Überwachungskameras hätten zu seiner schnellen Festnahme geführt haben. Seine Chancen mit der Forderung nach einer zweistelligen Millionensumme durchzukommen seien ohnehin äußerst gering gewesen. Der Mann hatte gedroht, andernfalls weitere Gläschen mit Babynahrung zu vergiften.

Der Täter habe durch seine Taten zwar einen überdurchschnittlich intelligenten Eindruck gemacht. Eine solche Tat lasse sich jedoch in Wirklichkeit nicht perfekt planen, davon waren die Experten überzeugt.

Der Kriminalpsychologe Martin Rettenberger sagt: „Üblicherweise sind die Aufklärungsquoten bei solchen aufsehenerregenden Erpressungsfällen relativ hoch, weil hoher Fahndungsdruck besteht und viel Öffentlichkeit mobilisiert wird.“ Vieles Hinweise seien zwar kaum verwertbar. Aber: „Der Ermittlungsdruck wird langandauernd hoch gehalten, bis der Täter gefasst ist.“

Hinweise aus der Bevölkerung

Seit Donnerstag war nach dem Mann mit Fotos und Videos gesucht worden. Die Polizei wurde schließlich durch Hinweise aus der Bevölkerung auf ihn aufmerksam. Woher er kommt, ist weiter unklar. Dass er aus dem Kreis Tübingen stammt, wie andere Medien berichtet hatten, hat die Polizei dem SWR nicht bestätigt.

Vergiftete Lebensmittel in Friedrichshafen

In einigen Läden in Friedrichshafen wurden vergiftete Produkte gefunden: In Gläsern mit Babynahrung war Ethylenglykol untergemischt. Dabei handelt es sich um Frostschutzmittel – eine klare, süß schmeckende Flüssigkeit. Schon 30 Milliliter sind bei Erwachsenen gesundheitsgefährdend, sagen die Behörden. Ethylenglykol müsse aber nicht tödlich sein, wenn der Betroffene rechtzeitig ärztliche Hilfe bekomme.

Das Fahndungsfoto war in einem der betroffenen Märkte in Friedrichshafen aufgenommen worden.

Keine Panik aber ernstzunehmende Drohung

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hatte zuvor eine amtliche Gefahrenmeldung für alle Bundesländer ausgegeben. Auf Twitter hatte das Amt außerdem den Aufruf der Polizei Konstanz geteilt, in dem auch wichtige Verhaltensregeln für den Einkauf stehen: