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Björn Widmann
Björn Widmann, SWR3; Foto: SWR3
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Eine Ölpest an der Nordostküste von Brasilien sorgt seit Wochen für verseuchte Strände. Woher das Öl stammt, ist immer noch ein Rätsel. Die Behörden haben aber eine Vermutung.

Die Brände im Amazonasgebiet haben mittlerweile nachgelassen, doch jetzt leidet Brasilien unter einer neuen Umweltkatastrophe. An der Atlantikküste im Nordosten Brasiliens werden seit Tagen immer neue Ölteppiche und Ölklumpen angespült.

Mittlerweile hat die Ölpest, die an der Nordküste begonnen hat, schon die Strände des Bundesstaats Bahia erreicht. Die Analyse des Öls zeigt, dass es aus nur einer Quelle stammt. Doch sei das Öl nicht in Brasilien gefördert worden, heißt es. Ein Unfall auf einer der Bohrinseln vor der Küste Brasiliens sei ausgeschlossen. In einigen Gebieten an der Küste gilt inzwischen der Notstand.

Video: Ölpest im Nordosten Brasiliens

Fast 2000 Kilometer Strand verschmutzt

Seit Anfang September werden an den Stränden im Nordosten des Landes immer wieder schmierige Klumpen angespült. Woher das Öl stammt, bleibt vorerst ein Rätsel. Acht Bundesstaaten sind mittlerweile betroffen, 124 Strände verschmutzt.

Die ersten Ölflecken wurden am 2. September an zwei Stränden im Bundesstaat Pernambuco gemeldet, in Ipojuca südlich von Recife und in Olinda, einem Vorort der Metropole. Mittlerweile hat sich der Ölteppich auf fast 2.000 Kilometer ausgebreitet. Der letzte als verschmutzt gemeldete Strand ist im Bundesstaat Piauí – fast 200 Kilometer westlich der Großstadt Fortaleza.

Bundespolizei ermittelt

Ölpest in Brasilien; Foto: Reuters

Eine tote Qualle liegt neben einem Ölfleck am „Boa Viagem“-Strand in Recife

Reuters

Das Institut für nachhaltige Entwicklung und Umwelt (Ibama), Feuerwehr, Marine und der Ölkonzern Petrobras sind dabei, den Ursprung der Verschmutzung herauszufinden. Vergangene Woche trafen sich Vertreter aus sechs Bundesstaaten im Nordosten von Brasilien, um zu besprechen, wie sie das Öl beseitigen wollen.

Auch die Bundespolizei von Rio Grande do Norte ist eingeschaltet und versucht, die Herkunft des Ölteppichs zu klären. Laut Ibama handelt es sich bei allen Funden um Rohöl, das aus ein und der selben Ölquelle stammt. Man sei sich sicher, dass die Quelle außerhalb von Brasilien liege, stellte das Institut nach einer chemischen Analyse des Öls klar.

Ursachensuche per Satellit

Zurzeit werten Experten auch Satellitenbilder aus. Ein Vertreter der Umweltbehörde des Bundesstaates Pernambuco sagte der Globo-Mediengruppe, eine mögliche Quelle der Verschmutzungen seien Öltanker. „Wir haben auf den Satellitenbildern die Punkte identifiziert, die Schiffe sein könnten“, so Eduardo Elvino.

„Jetzt suchen wir nach pigmentierten Stellen neben diesen möglichen Schiffen", sagte Elvino. Die Suche sei aber schwierig, da die farbigen Punkt neben den Schiffen außer Öl auch Fischschwärme oder Algenteppiche sein könnten: „Es gibt verschiedene Möglichkeiten.“

In der Auswertung der Satellitenbilder sieht Eduardo Elvino trotzdem seine Chance. Sollte ein Schiff nach der Reinigung der Tanks tatsächlich Rohöl in den Atlantik gekippt haben, könne man anhand der Meeresströmungen errechnen, welches Schiff sich nicht an die Umweltschutzvorgaben gehalten habe, und den Schuldigen dadurch identifizieren.

„Es ist ein dickes Öl, fast wie Teer. Es könnte nach dem Reinigen der Tanks von einem Schiff ins Meer geworfen worden sein. Viele Schiffe tun dies weiterhin.“

Rogério Almeida

Der Koordinator der Arbeitergewerkschaft in der Ölindustrie von Pernambuco und Paraíba, Rogério Almeida, sprach davon, dass viele Reedereien sich nicht an das Reinigungsverbot auf dem offenen Meer hielten. Eigentlich muss das Rohöl in Häfen entsorgt werden. Spezialisierte Unternehmen sammeln das Material dort.

Öl gefährlich für Tiere

Meeresschildkröte; Foto: Reuters

Eine Meeresschildkröte am Strand in Brasilien – völlig von Öl verschmiert

Reuters

Bis jetzt seien sieben Meeresschildkröten und ein Atlantiksturmtaucher an den Folgen der Ölpest verendet. Die Behörden rechnen aber noch mit mehr toten Tieren. Das Öl sorge unter anderem dafür, dass die Tiere sich nicht mehr bewegen können, der Körper nehme außerdem auch Giftstoffe aus dem Rohöl auf.

Zwar steuert Brasilien langsam auf den Frühling zu, trotzdem können Tiere, die mit dem Öl in Berührung kommen, immer noch erfrieren. Sobald das Rohöl das Fell oder Gefieder verklebt, haben die Tiere keinen Schutz mehr vor dem Auskühlen.

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Björn Widmann
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