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Nach dem Flugzeugabsturz einer Boeing 737 Max 8 in Äthiopien mit 157 Toten wird der deutsche Luftraum für Maschinen dieses Typs gesperrt. Das sagte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU).

„Sicherheit geht absolut vor“, sagte Verkehrsminister Andreas Scheuer. „Bis alle Zweifel ausgeräumt sind, habe ich veranlasst, dass der deutsche Luftraum für die Boeing 737 Max 8 ab sofort gesperrt wird.“ Damit dürfen Maschinen dieses Typs in Deutschland weder landen oder starten, noch dürfen sie den deutschen Luftraum durchqueren.

Boeing darf in mehreren Ländern nicht mehr starten

Auch Großbritannien kündigte an, seinen ganzen Luftraum für Maschinen dieses Typs zu schließen. Die britische Luftfahrtbehörde teilte mit, sie habe vorsorglich verfügt, alle kommerziellen Flüge von allen Airlines zu untersagen, die das Vereinigte Königreich überfliegen oder dort starten oder landen wollen.

In vielen anderen Ländern dürfen Airlines mit Maschinen dieses Typs ebenfalls vorerst nicht mehr starten.

Laut der US-Luftfahrtbehörde FAA sei es zu früh, um Konsequenzen zu ziehen: „Die Untersuchung hat gerade erst begonnen und uns liegen bislang keine Daten vor, um Schlussfolgerungen zu ziehen oder Maßnahmen zu ergreifen.“ Einige Airlines, darunter Norwegian und die US-Fluggesellschaft United, erklärten, die Maschinen seien sicher und blieben weiterhin in Betrieb.

Steigungswinkel des Flugzeugs könnte das Problem sein

Die Boeing 737 Max 8 ist das neueste Modell der Reihe und seit 2017 im Einsatz. Sie unterscheidet sich durch ein neues System, das den Steigungswinkel des Flugzeugs kontrollieren soll. Es steht im Verdacht, in Äthiopien und bei einem weiteren Absturz einer Maschine in Indonesien im Oktober 2018 eine Rolle gespielt zu haben. Bisher ist jedoch unklar, ob die beiden Maschinen aus dem gleichen Grund verunglückt sind.

Das so genannte Maneuvering Characteristics Augmentation System (MCAS) war nach dem Absturz der baugleichen Maschine in Indonesien schwer in die Kritik geraten. Laut Unfallermittlern drückte der Bordcomputer die Nase des Flugzeugs automatisch nach unten, während die Crew an Bord versucht habe, die Maschine nach oben zu steuern.

Boeing versprach in einer Mitteilung, die Software des Flugzeugs verbessern zu wollen. Es werde in den kommenden Wochen ein Update geben. Zudem soll das Training für die Crews noch einmal angepasst werden. Außerdem erklärte der Flugzeughersteller, er wolle bei der Aufklärung der Unglücke mithelfen.

Die Zweifel an der Sicherheit der Maschinen sorgten an der Börse zeitweise für einen massiven Fall der Aktien des US-Luft- und Raumfahrtriesen.

Absturz wenige Minuten nach dem Start

Das Flugzeug der Fluggesellschaft Ethiopian Airlines ist am Sonntagmorgen nahe der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba abgestürzt. Dabei kamen alle 157 Insassen ums Leben. Die Boeing 737 war laut einer Mitteilung der äthiopischen Regierung auf dem Weg von Addis Abeba in die kenianische Hauptstadt Nairobi. Start war demnach um 8.38 Uhr Ortszeit.

Nur wenige Minuten später war der Funkkontakt abgebrochen. Der Absturzort befindet sich etwa 50 Kilometer südöstlich von Addis Abeba. Warum das Unglück passierte, ist bisher noch unklar. Experten versuchen derzeit, die Opfer zu identifizieren und die Unglücksursache zu klären. Der Flugschreiber wurde bereits in den weit verstreuten Trümmern des Flugzeugs gefunden. Darauf befinden sich die Aufzeichnungen der Flugdaten und die Cockpitgespräche.

Fünf Deutsche kamen ums Leben

Das Auswärtige Amt bestätigte am Montagvormittag, dass fünf Deutsche unter den Todesopfern sind. Nach Angaben der Airline sind Menschen aus 35 Ländern unter den Opfern. Laut den Vereinten Nationen waren auch mindestens 19 UN-Mitarbeiter an Bord der Maschine.

Der Flugzeugtyp ist der Verkaufsschlager des US-Herstellers Boeing: Etwa 370 Maschinen wurden ausgeliefert, mehr als 5.000 weitere sind bestellt.