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Isabel Gebhardt
Isabel Gebhardt, SWR3; Foto: SWR3
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Zum ersten Mal suchte die Polizei in Hessen mit einem Foto nach einem Gaffer. Damit wollen die Ermittler ein Zeichen setzen: Gaffer sollen in die Perspektive der Opfer versetzt und so zum Umdenken gebracht werden. Die Fahndung war ein Erfolg.

Die hessische Polizei veröffentlichte am Dienstag zusammen mit der Staatsanwaltschaft ein Fahndungsfoto. Darauf zu sehen: ein Mann, der nach einem schweren Busunfall in Wiesbaden im November letzten Jahres Videos und Bilder ins Internet gestellt haben soll – darunter auch Nahaufnahmen von Verletzten.

Nach Bus-Unfall in Wiesbaden: Polizei suchte Gaffer mit Fahndungsfoto; Foto: Polizei Westhessen

Mit diesem Foto suchte die Polizei nach dem mutmaßlichen Gaffer.

Polizei Westhessen

Noch am selben Tag meldete sich ein 17-Jähriger auf dem Polizeirevier. Die Beamten gehen davon aus, dass es sich um den gesuchten Mann handelt – deshalb zog sie die Fahndung wieder zurück.

Kampf gegen Gaffer

Mit der Fahndung schlagen die Ermittler einen neuen Weg im Kampf gegen Gaffer ein. „So eine Öffentlichkeitsfahndung gab es noch nie“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Westhessen dem Hessischen Rundfunk. Damit wolle man bewusst ein Statement setzen: Wie zuvor die gefilmten Opfer werde jetzt der Täter den neugierigen Blicken der Öffentlichkeit ausgesetzt.

Mit der Veröffentlichung des Fahndungsfotos sollen die Menschen zum Umdenken animiert werden, hieß es. Gaffer sollen sich demnach in die Perspektive der Opfer versetzen und sich mit den Folgen für die Betroffenen auseinandersetzen.

„Wir drehen den Spieß einfach um.“

Sprecher des Polizeipräsidiums Westhessen

Hilflosigkeit der Opfer zur Schau gestellt

Dem 17-Jährigen wird vorgeworfen, die Hilfslosigkeit der betroffenen Menschen nach dem Unfall auf „entwürdigende Weise“ zur Schau gestellt zu haben, so die Staatsanwaltschaft. Auf den Videos sei auch zu erkennen, dass der Filmende sogar andere Personen abgedrängt habe, um seine Aufnahmen zu machen.

Kameraaufnahmen mit Videos im Netz verglichen

Um den Mann zu identifizieren, war viel Ermittlungsarbeit notwendig, teilte das zuständige Polizeipräsidium Westhessen mit. Man habe die Aufnahmen aus diversen Kameras in Bussen mit den Aufnahmen im Netz abgeglichen und so den mutmaßlichen Gaffer ausmachen können.

Den Mann erwartet nun ein Strafverfahren und bei Verurteilung eine Geld- oder sogar Haftstrafe.