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Björn Widmann
Björn Widmann, SWR3; Foto: SWR3
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Großbaustellen, die Milliarden verschlingen, haben wir in Deutschland schon in Stuttgart und Berlin. Jetzt soll in Frankfurt der Hauptbahnhof zum Teil unter die Erde verlegt werden. Droht auch hier Chaos?

Hauptbahnhof Frankfurt; Foto: picture alliance/Silas Stein/dpa

War immer mal wieder eine Baustelle: Der Hauptbahnhof in Frankfurt

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Einer der wichtigsten Eisenbahnknotenpunkte in Deutschland soll entlastet werden: der Frankfurter Hauptbahnhof. Die Bahn und das Bundesverkehrsministerium wollen jetzt untersuchen lassen, was der Umbau kostet und welche Folgen er für den Zugverkehr haben könnte. Die Ergebnisse sollen im Frühjahr 2021 vorliegen.

Im Moment rechnet der Bund mit Kosten von etwas mehr als 3,5 Milliarden Euro. Mit dem Geld sollen ein mehrere Kilometer langer Tunnel und ein Tiefbahnhof gebaut werden. Fertig sein könnte das Mega-Projekt dann im Jahr 2035 oder 2036, sagt Verkehrsstaatssekretär Enak Ferlemann.

Neuer Tunnel für Fernverkehr

Das Konzept sieht vor, dass ein neuer Tunnel für den Fernverkehr gebaut werden soll. Er soll den Frankfurter Hauptbahnhof von West nach Ost unterqueren und dort an vier unterirdische, neue Gleise angeschlossen werden. Allerdings ist noch gar nicht klar, ob Tunnel und Tiefbahnhof überhaupt realisierbar sind. Deswegen die Machbarkeitsstudie.

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Die Bahn sagt, dass zwei von drei Fernzügen in Deutschland durch Frankfurt fahren. Allerdings sei der Hochgeschwindigkeitsverkehr und ein Kopfbahnhof wie in Frankfurt nicht vereinbar. Denn die Züge müssten nach dem Halt die Richtung wechseln, sagt Ferlemann.

Damit sei der Frankfurter Hauptbahnhof ein „absoluter Kristallisationspunkt“ im gesamten deutschen Schienennetz. Wenn es hier verstopft sei, komme der ganze bundesweite Takt durcheinander.

Mehrere Varianten für Streckenführung

In der Studie soll auch geklärt werden, wie die Strecke verlaufen soll. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten: von der Niederräder Brücke in Richtung Osten bis Oberrad und Fechenheim. Nördlich oder südlich des Mains wird nach Korridoren gesucht.

Neuer Tiefbahnhof soll Zeit sparen

Wenn der Fernverkehr nach dem Bau des Tunnels und des Tiefbahnhofes nicht mehr durch die Stadt und in den Kopfbahnhof fahren muss, soll das pro Zug bis zu acht Minuten Fahrzeit einsparen. Im Schienenverkehr sei das „gewaltig“, sagt Ferlemann. Außerdem sei dann oberirdisch mehr Platz für den Regionalverkehr.

Der Fahrgastverband Pro Bahn steht hinter dem Projekt. „Damit würde ein Nadelöhr beseitigt“, sagte der hessische Landesvorsitzende Thomas Kraft. Von Mannheim nach Fulda und von Köln nach Würzburg wären die Züge zum Beispiel viel schneller unterwegs.

Kraft ist außerdem dafür, den unterirdischen Bahnhof so flexibel auszulegen, dass er auf lange Sicht genügend Kapazität habe. Auch die Stadt Frankfurt und der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) finden das Konzept gut.

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