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Björn Widmann
Björn Widmann, SWR3; Foto: SWR3
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Vor zwei Wochen wurde der ehemalige Hollywood-Produzent wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung schuldig gesprochen. Am Mittwoch hat ein Richter in New York das Strafmaß verkündet. Doch seine Strafe könnte sich noch weiter verschärfen.

Erst am Mittwoch war das Strafmaß verkündet worden. Es besagt: Wegen verschiedener Sexualverbrechen muss Harvey Weinstein 23 Jahre ins Gefängnis. Richter James Burke verkündete es an einem New Yorker Gericht – und blieb damit sechs Jahre unter der Höchststrafe von 29 Jahren. Weinstein war bei der Verkündung dabei – er saß in einem Rollstuhl.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine harte Strafe gefordert, weil der 67-Jährige jahrzehntelang Frauen missbraucht habe und bislang keinerlei Reue zeige. Weinsteins Verteidiger hatten dagegen eine milde Strafe gefordert – und auch schon angekündigt, in Revision gehen zu wollen.

Weitere Anklage gegen Weinstein

Dass Weinstein am Ende doch noch länger ins Gefängnis muss, ist dabei nicht ausgeschlossen. Denn: Ihm droht noch ein weiteres Verfahren, nämlich in Kalifornien. Kurz nach der Verkündung des Strafmaßes in New York teilte die Staatsanwaltschaft in Los Angeles mit, dass die Behörde Schritte für die Auslieferung Weinsteins eingeleitet habe. Dort hatte die Staatsanwaltschaft in zwei Fällen Anklage wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung erhoben. Die Vorwürfe stammen von zwei Frauen, die in der Oscar-Woche 2013 in Hotels in Beverly Hills Opfer von Übergriffen geworden sein sollen.

Vergewaltigung und sexuelle Nötigung

Ende Februar hatte eine Jury den „Pulp Fiction“-Produzenten wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung schuldig gesprochen. Allerdings sei er in den beiden schwersten Anklagepunkten des „raubtierhaften sexuellen Angriffs“ und eines noch schwereren Vorwurfs der Vergewaltigung nicht schuldig, so die Jury.

Verurteilt wurde Weinstein in New York lediglich wegen zwei Sexualdelikten: Im Jahr 2006 hat er demnach eine Produktionsassistentin zum Oralverkehr gezwungen und eine andere Frau im Jahr 2013 vergewaltigt.

Weinstein wird verlegt

Nach dem Schuldspruch kam Weinstein in ein Krankenhaus, wurde später aber in das Gefängnis Rikers Island bei New York verlegt. Nach Verkündung des Strafmaßes soll Weinstein in ein anderes Gefängnis im US-Bundesstaat New York verlegt werden, sobald es ihm gesundheitlich wieder besser geht.

Weinsteins Anwälte verhandeln unterdessen weiter mit den Klägerinnen – so gut es geht unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Es geht um Entschädigungszahlungen.

Mehr als 80 Frauen beschuldigen Weinstein

Mehr als 80 Frauen haben dem ehemaligen Film-Produzenten vorgeworfen, dass er sie sexuell belästigt hat. Unter ihnen auch Schauspielerinnen wie Angelina Jolie, Salma Hayek und Gwyneth Paltrow. Im Herbst 2017 war nach Bekanntwerden der Vorwürfe die #metoo-Bewegung entstanden. Viele Frauen und auch einige Männer berichteten unter diesem Hashtag eigene Erlebnisse.

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