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Wolfgang Schäuble empfiehlt der CDU, Friedrich Merz zu ihrem Chef zu wählen – jetzt wird der Ton rauer: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier zeigt sich irritiert und kritisiert Schäubles „Dammbruch“.

Peter Altmaier; Foto: dpa/picture alliance

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat sich für Annegret Kramp-Karrenbauer als CDU-Parteivorsitzende ausgesprochen.

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Die Zeit der Zurückhaltung bei den Parteigrößen in der CDU scheint vorbei. Auf der Zielgeraden zur Wahl am Freitag kommt nach Bundestagspräsident Schäuble auch Peter Altmaier aus der Deckung. Nun rückte er damit heraus, wen er für die Merkel-Nachfolge favorisiert.

Altmaier sei irritiert über das Vorgehen von Bundestagspräsident Schäuble. Dieser hatte eine Wahlempfehlung zugunsten von Friedrich Merz ausgesprochen. Der Rheinischen Post sagte Altmaier, er habe aus Respekt vor den Delegierten bisher geschwiegen. Aber jetzt sei der „Damm gebrochen“ – und er, Altmaier, sei für Annegret Kramp-Karrenbauer. Sie sei die beste Chance, die CDU wieder zu einen und Wahlen zu gewinnen.

Neuer Parteivorsitz, neue/r Kanzler/in?

Auch Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus bezieht Position – und zwar in der Frage der Kanzlerschaft von Angela Merkel. Brinkhaus sagte, bei der Bundestagswahl hätten die Wähler der Union und deren Spitzenkandidaten Merkel den Regierungsauftrag für die gesamte Legislaturperiode erteilt. Jetzt mit dem Gedanken an Neuwahlen zu spielen, würde dem ohnehin angegriffenen Vertrauen in die Politik weiteren Schaden zufügen.

Die CDU wird bei dem zweitägigen Parteitag ab Freitag in Hamburg über die Nachfolge von Angela Merkel an der Parteispitze entscheiden. Die Bundeskanzlerin will den Parteivorsitz nach mehr als 18 Jahren abgeben. Diese Konsequenz zieht sie aus den schweren Stimmverlusten der Union bei den vergangenen Landtagswahlen

Friedrich Merz; Foto: dpa/picture-alliance

Friedrich Merz war einige Jahre ernster Rivale von Angela Merkel. Beide traten mit der Spendenaffäre 2000 ins CDU-Rampenlicht, als Wolfgang Schäuble Partei- und Fraktionsvorsitz abgeben musste. Merkel übernahm den Parteivorsitz, Merz den Fraktionsvorsitz im Bundestag. Der Sauerländer vertritt wirtschaftsliberale Positionen, womit die CDU wieder näher an die FDP rücken könnte. Bekannt wurde der 62-Jährige durch seine Forderung nach einem so einfachen Steuersystem, bei dem die Steuererklärung auf einen Bierdeckel passen sollte. 2002 verdrängte Merkel ihn vom Fraktionsvorsitz; 2005 wechselte der Jurist in die Privatwirtschaft.

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