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Nach dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke haben mehrere deutsche Politiker Drohungen erhalten. Die Kölner Polizei bestätigte, dass auch Oberbürgermeisterin Henriette Reker betroffen ist.

Nach Angaben der Polizei hat die Staatsanwaltschaft in Berlin die Ermittlungen aufgenommen, weil es innerhalb Deutschlands mehrere Drohungen gegen Politiker gebe. Gegen die Kölner Oberbürgermeisterin Reker (parteilos) ging eine Morddrohung ein. Sie steht offenbar im Zusammenhang mit der Tötung des Kassler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Reker hatte nach dem Bekanntwerden des Falls zu mehr Engagement für eine offene Gesellschaft aufgerufen.

Reker und Hollstein wurden schon mal angegriffen

Das Büro der Kölner Oberbürgermeisterin wollte den Fall nicht kommentieren. Reker ist nicht zum ersten Mal mit Gewalt konfrontiert. Im Oktober 2015 wurde sie mit einem Messer attackiert. Reker schwebte mehrere Tage in Lebensgefahr.

Betroffen ist auch der Bürgermeister der westfälischen Stadt Altena, Andreas Hollstein (CDU). Er hat nach eigenen Angaben am Dienstag eine Morddrohung erhalten.

Hollstein wurde in der Vergangenheit ebenfalls schon angegriffen. Im November 2017 verletzte ihn ein alkoholisierter Mann in einem Döner-Imbiss mit einem Messer am Hals. Der Angreifer hatte sich zuvor abfällig über die liberale Flüchtlingspolitik Hollsteins geäußert.

Walter Lübcke; Foto: dpa

Walter Lübcke hatte in der Vergangenheit Morddrohungen erhalten.

dpa

Der Mordfall Walter Lübcke

Der Kasseler Regierungspräsident Lübcke war Anfang Juni auf der Terrasse seines Hauses erschossen worden. Dringend tatverdächtig ist der 45-jähriger Stephan E., der mehrfach wegen rechtsextremer Äußerungen aufgefallen ist.

Die Bundesanwaltschaft stuft das Verbrechen als politisches Attentat mit rechtsextremem Hintergrund ein. Sie prüft derzeit, ob der Mord von einem Einzeltäter ausgeführt wurde oder ob eine Gruppe dahintersteckt.

„Sprache kann zu Hetze, Hetze zu Taten werden“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mahnte einen sorgsamen Umgang mit Sprache an. „Sprache kann zu Hetze, Hetze zu Taten werden“, ließ sie über ihre Regierungssprecherin am Mittwoch in Berlin mitteilen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier forderte eine rasche Aufklärung des Mordfalls. Das sei mitentscheidend für das Vertrauen in Rechtsstaat und Demokratie, sagte er auf dem Evangelischen Kirchentag in Dortmund. Er rief zudem zu mehr Respekt und Schutz für Kommunalpolitiker auf.