Autor
Katharina Kunz
Katharina Kunz, SWR3; Foto: SWR3
Stand:

Die Ethik-Kommission des DFB verzichtet auf ein Verfahren gegen den Schalke-Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies. Dieser hatte Aussagen zum Klimawandel und dem Verhalten von Afrikanern gemacht, die als rassistisch kritisiert wurden.

Die DFB-Ethik-Kommission teilte mit, Tönnies habe überzeugend vermitteln können, dass er kein Rassist sei. Der 63-Jährige hatte sich vor rund vier Wochen als Festredner abfällig über Afrikaner geäußert und dafür viel Kritik geerntet. Später hat Tönnies sich für seine Aussagen entschuldigt und angekündigt, sein Amt bei Schalke für drei Monate ruhen zu lassen.

Der Ehrenrat von Fußball-Bundesligist Schalke 04 bewertete Tönnie Aussagen zuvor als nicht rassistisch. Der Vorwurf sei unbegründet, wie es auf der Homepage des Clubs hieß.

Tönnies verstieß gegen Diskriminierungsverbot

Sie warfen dem 63-jährigen Aufsichtsratschef aber vor „gegen das in der Vereinssatzung und im Leitbild verankerte Diskriminierungsverbot verstoßen zu haben“. Dies habe Tönnies eingeräumt und „ein weiteres Mal sein Bedauern zum Ausdruck gebracht“, teilte der Verein aus Gelsenkirchen weiter mit. Nach seiner dreimonatigen Pause wolle der Unternehmer seine Tätigkeit im Schalke-Aufsichtsrat wieder aufnehmen, hieß es.

Tönnies hatte Ende Juli beim Tag des Handwerks in Paderborn Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Stattdessen forderte er, lieber jährlich zwanzig Kraftwerke in Afrika zu finanzieren. „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren“, sagte er. Später entschuldigte sich Tönnies für seine Äußerungen.

Ein Kommentar von ARD-Aktuell-Chef Kai Gniffke:


Von Anti-Rassismus-Organisationen wird der Unternehmer dafür scharf kritisiert. „Die Aussagen sind nicht mehr im Rahmen des Tolerierbaren“, sagte Timo Reinfrank, Geschäftsführer der Stiftung Amadeu Antonio.

„Die Aussagen sind nicht mehr im Rahmen des Tolerierbaren.“

Timo Reinfrank, Stiftung Amadeu Antonio

Reinfrank forderte damals, der Deutsche Fußball Bund und auch der FC Schalke 04 dürften die Angelegenheit nicht unter den Teppich kehren. Tönnies dürfe sein Amt als Aufsichtsratschef nur behalten, wenn er bereit sei, sich mit seinem „problematischen Weltbild“ auseinanderzusetzen, sagte Reinfrank.

Thiam: Entschuldigung war „halbherzig“

Der ehemalige Fußball-Profi Pablo Thiam bezeichnete Tönnies Entschuldigung als „halbherzig“. „Er sollte es nicht bei allgemeinen Floskeln belassen, sondern sich bei denen entschuldigen, die er durch seine Aussagen beleidigt hat“, sagte der Integrationsbeauftragte des Bundesligisten VfL Wolfsburg der Tageszeitung Die Welt.

Der ehemalige Trainer von Schalke 04 Huub Stevens nimmt Tönnies in Schutz; Foto: picture alliance/Rolf Vennenbernd/dpa

Ex-Trainer von Schalke 04 Huub Stevens

picture alliance/Rolf Vennenbernd/dpa

Tönnies bekam aber auch Beistand von alten Weggefährten: Schalkes Trainer-Ikone Huub Stevens verteidigte ihn: „Wer ihn kennt, wer seit langem mit ihm zusammenarbeitet, der weiß, dass Clemens die Menschen mag wie sie sind – völlig unabhängig von Hautfarbe, Herkunft oder Religion“, schrieb der 65-Jährige laut Westdeutscher Allgemeine Zeitung (WAZ).

„Ihm geht es stets um den Charakter eines Menschen - nie um die Farbe seiner Haut.“

Ex-Schalke Trainer Huub Stevens

Der ehemalige SDP-Chef Sigmar Gabriel teilte laut WAZ mit, „der Spruch“ sei „garantiert daneben“ gewesen. Den Schalke-Chef aber zum Rassisten zu machen, sei „absoluter Quatsch“. Wer Tönnies kenne, „weiß, dass das nun wirklich nicht stimmt“. Ex-Bundesligatrainer Otto Rehhagel betonte nach Angaben der Zeitung, er kenne Tönnies als einen, „dem nur wichtig ist, wie sich ein Mensch verhält und nicht, woher er kommt“.

Riss zwischen Fans und Tönnies

Susanne Franke, Vorstand der Schalker Fan-Initiative, glaubt trotz allen Zuspruchs nicht daran, dass die Risse zwischen Tönnies und den Fans noch zu kitten sind. „Ich halte Clemens Tönnies in seiner Rolle für den Verein, in seiner sehr sichtbaren, großen, tragenden Rolle, nicht mehr für tragbar“, sagte sie im Interview mit der Deutschen Welle.