Autor
Vanessa Valkovic
Vanessa Valkovic, SWR3; Foto: SWR
Stand:

Die Nato will ein neues Einsatzgebiet erklären: das Weltall. Für die Verteidigung der Nato-Staaten sei das unentbehrlich. Denn: Ein Angriff im All könnte große Folgen für uns haben.

Die Nato wappnet sich für Kriege im Weltraum – das klingt zunächst abstrus, ein bisschen nach Krieg der Sterne und Science Fiction. Doch der Vorstoß hat einen ernsten Hintergrund.

Angriffe im All könnten Nato-Bündnisfall auslösen

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg; Foto: picture alliance/Francisco Seco/AP/dpa

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg

picture alliance/Francisco Seco/AP/dpa

„Die Nato hat nicht die Absicht, Waffen im Weltraum zu stationieren, aber wir müssen sicherstellen, dass unsere Missionen und Operationen die passende Unterstützung haben“, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Das All sei zum Beispiel für Frühwarnsysteme, die Kommunikation und Navigation von entscheidender Bedeutung.

Vor dem Treffen der Nato-Außenminister in Brüssel sagte Stoltenberg, er erwarte, dass die Minister „den Weltraum als Operationsbereich“ anerkennen. Bereits im Juni beschloss die Nato eine Weltraum-Strategie.

Im Jahr 2016 hatte das Bündnis neben Luft, Boden und See auch den Cyberspace zu einem eigenen Operationsgebiet erklärt. Ein Hacker-Angriff könnte seitdem auch den Bündnisfall auslösen.

Was bedeutet das?

Konkret könnte der Weltraum-Beschluss bedeuten, dass auch mögliche Angriffe im Weltraum künftig als Bündnisfall behandelt werden. Das bedeutet: Wenn ein Nato-Mitgliedsstaat angegriffen wird, stehen ihm die Verbündeten zur Seite. Das gilt bisher nur bei Angriffen am Boden oder im Luft-, See- oder Cyberraum.

Die Nato ist immer abhängiger von der Technik im All: Die Kommunikation bei Militäreinsätzen läuft über Satelliten – sie werden zur Aufklärung und Spionage sowie für Navigationssysteme genutzt. Ein Angriff auf Satelliten der Nato-Staaten könnte ihre Verteidigungsfähigkeit also erheblich einschränken.

Im Fall eines Krieges könnten so auch Teile des öffentlichen Lebens lahmgelegt werden: die Abwicklung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs und Navigationssysteme für den Straßen-, See- und Luftverkehr könnten schwer beeinträchtigt werden.

„Wer Satelliten abschießt, zeigt, dass er keine Weltraummacht ist“

Neben dem Nato-Staat USA haben zuletzt vor allem Russland, China und Indien ihre Fähigkeiten im Weltraum erheblich ausgebaut. Indien schoss beispielsweise einen eigenen Satelliten ab und testete dadurch erfolgreich eine Anti-Satelliten-Rakete.

Der deutsche Astronaut Matthias Maurer kritisierte den Test auf Twitter scharf:

Einen Satelliten abzuschießen, um zu beweisen, dass man eine Weltraummacht ist, zeigt nur, dass man es nicht ist.

Eigene Weltraumwaffen sollen weder entwickelt noch unterstützt werden – das Bündnis soll aber ein Schlüsselforum für den Austausch von Fähigkeiten und Informationen werden.

Trump plant sechste US-Streitkraft

US-Präsident Donald Trump hatte bereits im Dezember 2018 die Bildung des „United States Space Command“ angeordnet – bis Ende 2020 soll eine „United States Space Force“ als sechste US-Streitkraft gegründet werden.