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Mario Demuth
Mario Demuth, SWR3; Foto: SWR3
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Ein chinesischer Tourist ist in einer Pariser Klinik an dem Coronavirus gestorben, teilte die französische Gesundheitsministerin mit. Er stammte aus der schwer vom Virus betroffenen chinesischen Region Hubei.

Erstmals ist ein Mensch in Europa an den Folgen einer Infektion mit dem neuen Coronavirus gestorben. Die französische Gesundheitsministerin Agnès Buzyn teilte am Samstag mit, dass es sich um einen 80-jährigen chinesischen Touristen handelt. Er stamme aus der besonders von der Ausbreitung des Virus betroffenen chinesischen Region Hubei, in der auch die Stadt Wuhan liegt.

Der Mann sei Anfang Februar auf die Intensivstation des Krankenhauses Bichat in Paris gebracht worden. Er sei seit mehreren Tagen in einem kritischen Zustand gewesen.

Außerhalb Chinas mehr als 600 Coronavirus-Infektionen

In Frankreich sind bislang elf Coronavirus-Fälle registriert. Infizierte Menschen gibt es auch in anderen europäischen Ländern. In Deutschland sind es 16 Fälle. Bei einigen Patienten verlief die Erkrankung nahezu ohne Symptome.

In China, dem Ursprung der Infektionen, stieg die Zahl der Infizierten auf mehr als 66.000 Menschen. Inzwischen sind nach offiziellen Angaben mehr als 1.500 Menschen gestorben. Außerhalb des chinesischen Festlands sind im Rest der Welt bislang etwa 600 Erkrankungen bestätigt.

Erster bestätigter Coronafall in Afrika

Inzwischen gibt es auch den ersten Fall in Afrika. In Ägypten sei eine 33-jährige ausländische Person infiziert, teilte das Gesundheitsministerium in Kairo mit – ohne weitere Angaben zur Identität zu machen. Die Person zeige keine Symptome und bleibe 14 Tage auf einer Isolierstation, hieß es.

Im japanischen Hafen Yokohama steht unterdessen ein Kreuzfahrtschiff weiter unter Quarantäne. Die USA kündigten inzwischen an, ihre Landsleute auszufliegen, die sich auf der „Diamond Princess“ befinden. Demnach handele es sich um 380 Amerikaner mit ihren Familien. Von den 3.600 Reisenden und Crewmitgliedern gibt es bislang 285 bestätige infizierte Menschen.

Deutsche Post nimmt keine Pakete mehr nach China an

Die Ausbreitung des Coronavirus hat mittlerweile auch Auswirkungen auf den Paketversand. Die Deutsche Post nimmt keine Päckchen und Pakete nach China, Hongkong und Macao mehr an. Grund seien Probleme beim Transport, der Verzollung und der Zustellung, sagte eine Firmensprecherin. Briefe hingeben würden weiterhin bearbeitet – allerdings mit Verzögerungen.

Internationale Veranstaltungen abgesagt

Wegen Angst vor einer weiteren Ausbreitung der Viruskrankheit wurde inzwischen die internationale Mobilfunkmesse in Barcelona abgesagt. Sie hätte vom 24. bis zum 27. Februar stattfinden sollen. Die Veranstalter des Mobile World Congress teilten mit, dass mehr als 30 Firmen ihre Teilnahme abgesagt hatten.

Auch mehrere Sportereignisse abgesagt

Bereits am Mittwoch wurde das für April geplante Formel-1-Rennen in Shanghai verschoben. Die Veranstalter des Rennens haben wegen der Ausbreitung des Coronavirus um die Verschiebung gebeten.

Ursprünglich hätte das Rennen am 19. April stattfinden sollen. Es soll zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Jahr nachgeholt werden. Die Entscheidung solle „die Gesundheit und die Sicherheit der reisenden Mitarbeiter, der WM-Starter und Fans“ sichern.

Die Formel 1 steht mit der Absage nicht alleine da: Auch das Rennen der vollelektrischen Rennserie Formel E im chinesischen Sanya wurde bereits abgesagt. Außerdem findet die Hallen-WM der Leichtathleten in Nanjing nicht statt — genauso wie die Weltcup-Skirennen in Yanqing und das internationale Reitturnier in Hongkong.

Olympia angeblich nicht in Gefahr

Die Olympischen Spiele im Sommer in Japan sollen dagegen wie geplant stattfinden. Eine Absage oder Verschiebung komme nicht in Frage. Das hat der Chef des japanischen olympischen Komitees gesagt.

Coronavirus heißt jetzt „Covid-19“

Die von den Centers for Disease Control and Prevention zur Verfügung gestellte Illustration stellt das neuartige Coronavirus da.; Foto: picture alliance/Uncredited/Centers for Disease Control and Prevention/AP/dpa

Diese Illustration zeigt, wie das Coronavirus aussieht.

picture alliance/Uncredited/Centers for Disease Control and Prevention/AP/dpa

Forscher haben der neuen Lungenkrankheit, die durch den Coronavirus ausgelöst wird, unterdessen einen neuen Namen verpasst. Die WHO hat am Dienstagabend den offiziellen Namen für die Krankheit mitgeteilt: „Covid-19“. Der Virus an sich wird als „Sars-CoV-2“ bezeichnet.

Dabei handelt es sich um eine Abkürzung.

  • „Co“ steht für Corona
  • „vi“ für Virus
  • „d“ für disease (=Krankheit)
  • „19“ für 2019

Neuer Name gegen Diskriminierung

Die neue Bezeichnung Covid-19 sei von internationalen Experten bei einem Treffen in Genf ausgewählt worden, hieß es. Dabei sei wichtig gewesen, dass er einfach auszusprechen sei und kein Land und keine bestimmte Bevölkerung stigmatisiere, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Wir mussten einen Namen finden, der sich nicht auf eine geografische Region, ein Tier, eine Person oder eine Gruppe von Menschen bezieht.

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus

Seit die Krankheit ausgebrochen ist, berichten immer wieder Asiaten aus aller Welt von Abwertung und Diskriminierung, die sie erleben. Sie werden zum Beispiel als „Corona“ beschimpft oder Menschen wollen sich nicht neben sie setzen. Was genau sie erleben, schreiben sie in den sozialen Netzwerken unter dem Hastag #IAmNotAVirus.

Wir erleben es in der U-Bahn, dass sich Leute wegsetzen, wir merken es am Bahnsteig, dass sich die Leute entfernen und komisch gucken.

Betreiber eines Asia-Ladens in Stuttgart