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Beim Anruf in der Praxis schon mal seufzend den Kalender für die nächsten Monate öffnen? Das soll nicht mehr sein, hat der Bundestag beschlossen und einem neuen Gesetz zugestimmt. Ärzte müssen dadurch mehr Sprechstunden für gesetzlich Versicherte anbieten.

Bisher gibt es 20 Stunden pro Woche, die für Kassenpatienten reserviert sind, in Zukunft sollen es 25 Stunden sein. Und bestimmte Fachärzte, bei denen Patienten oft sehr lange im Voraus anrufen müssen, zum Beispiel Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Augenärzte oder Frauenärzte werden verpflichtet, fünf Stunden pro Woche eine offene Sprechstunde abzuhalten. Dorthin können Patienten dann auch ohne Termin kommen.

Termine über die Nummer 116117

Das Gesetz sieht auch vor, dass Termine zentral und rund um die Uhr per Telefon ausgemacht werden können – die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen, die es schon seit 2016 gibt, werden dazu ausgebaut. Und: es soll bis 2021 eine elektronische Patientenakte für alle gesetzlich Versicherten geben, die sie dann auch über eine App nutzen können.

Das Gesetz wurde mit den Stimmen der Großen Koalition angenommen, die die Mehrheit im Bundestag stellt. Die Opposition hat dagegen gestimmt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der das Gesetz entworfen hat, war nach der Abstimmung sehr zufrieden.

Mit dem heutigen Gesetz machen wir die medizinische Versorgung in Deutschland besser, schneller und digitaler.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU)


Ärzte bekommen mehr Geld für mehr Service

Damit die Ärzte auch mitmachen und mehr neue Patienten behandeln, sollen sie mehr Geld bekommen. Zum Beispiel gibt es zehn Euro, wenn ein Hausarzt einen Patienten in einem dringenden Fall an einen Facharzt überweist. Finanzielle Zuschläge sollen auch dafür sorgen, dass mehr Ärzte eine Praxis auf dem Land eröffnen. Denn dort gibt es oft zu wenige.

Wirtschaftlicher Überschuss macht's möglich

Die geschätzten Kosten von rund 600 bis 800 Millionen Euro für ein ganzes Paket von neuen Gesundheitsgesetzen sollen von den Krankenkassen getragen werden, unter anderem dafür gab es im Vorfeld auch Kritik. Bundesgesundheitsminister Spahn hat sich dagegen gewehrt und gesagt, dass es im Moment genügend Überschüsse und Rücklagen gebe, um die neuen Regeln zu finanzieren.