In anderthalb Monaten beginnt der Strafprozess zum Loveparade Unglück von Duisburg. Ein neues Gutachten spricht jetzt von schweren Fehlern bei Planung und Genehmigung.

Das neue Beweisstück soll laut der Duisburger Staatsanwaltschaft der erste Teil eines neuen Sachverständigengutachtens sein. Erstellt wurde es von dem Wuppertaler Experten für Veranstaltungssicherheit, Jürgen Gerlach.

Schwere Fehler bei der Planung

Laut dem WDR, der Einblick in das Gutachten nehmen konnte, gibt es darin neue Vorwürfe: Bei Planung und Genehmigung der Loveparade sollen schwere Fehler gemacht worden sein.

Sperren, die die Menschenströme schon vor dem eigentlich Zugang im Tunnel begrenzen sollten, bezeichnet der Experte als ungeeignet. An einer Stelle soll es außerdem enger gewesen sein als geplant. Wenn die Verantwortlichen das früh genug bemerkt hätten, wäre es wahrscheinlich nicht zu den 21 Toten gekommen, sagt Gerlach.

Tausende immer noch traumatisiert

Diese Vorwürfe bestätigen nach erster Einschätzung die Sicht der Staatsanwaltschaft. Sie hatte nach der Katastrophe im Juli 2010 vor allem Planer und Überwacher des Technofestivals angeklagt.

In dem aktuellen Beweisstück geht es vor allem um die Planung der Party. Der zweite Teil des Gutachtens soll sich dann mit dem Ablauf am Veranstaltungstag befassen. Bei der Loveparade starben 21 Menschen, 650 wurden verletzt. Tausende Besucher wurden durch die Ereignisse traumatisiert. Viele leiden noch immer an den psychischen und seelischen Folgen.

Opfer-Vertreter: Nichts absolut Neues

Der Loveparade-Ombudsmann Jürgen Widera kennt das Gutachten nach eigenen Angaben bisher nur aus der Zeitung Rheinische Post. Er sagt: „Mir ist nicht aufgefallen, was daran so absolut neu ist.“ Der Pfarrer vertritt seit 2013 Loveparade-Opfer gegenüber Behörden.

Ein vorheriges Gutachten war in dem Prozess bereits abgelehnt worden. Die Richter befanden es wegen gravierender Mängel als nicht verwertbar.