Stand:

Mehr als 10.000 Menschen warten derzeit in Deutschland auf ein Spenderorgan. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bekam für seine Vorschläge zur Reform des Transplantationsgesetzes viel Unterstützung. Jetzt wird darüber abgestimmt.

Bisher gab es für die Reform des Transplantationsgesetzes von allen Seiten Lob. Deshalb ist heute im Bundestag eine breite Mehrheit für den Vorschlag von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zu erwarten.

Besser Abläufe, mehr Organspender

Ein Kernpunkt der Reform ist die Stärkung der Transplantationsbeauftragten. Das sind Ärzte, die in Kliniken als Schnittstelle zwischen Patienten, Angehörigen, behandelnden Ärzten und der deutschen Stiftung Organtransplantation fungieren. Sie versuchen herauszufinden, ob ein sterbender Patient nach dem Tod als Organspender in Frage kommt.

Der jetzige Gesetzentwurf sieht vor, dass Krankenhäuser den Transplantationsbeauftragten von seinen sonstigen Aufgaben freistellen müssen. Je nach Größe der Klinik für einige Stunden oder sogar komplett. Außerdem sollen die Kliniken auch mehr Geld dafür bekommen, dass sie Kapazitäten für die Organspende bereitstellen: Ärzte, Pfleger, Operationssäle, Intensivbetten.

Auch für Angehörige

Teil des Gesetzes ist außerdem „eine neurologische Rufbereitschaft“. Das soll ein geschulter Facharzt sein, der den Hirntod eines Patienten feststellt. Mögliche Organspender werden durch intensivmedizinische Maßnahmen am Leben gehalten, damit die Organe weiter durchblutet werden. Derzeit steht für die nötigen Untersuchungen nicht immer ein Arzt bereit. Das soll sich durch die neue Rufbereitschaft ändern.

In dem Gesetzesentwurf geht es auch um den Umgang mit Angehörigen von Organspendern. Die sollen künftig vor, während und nach der Spende besser betreut werden.

Zustimmungsregel vs. Widerspruchslösung

Unabhängig von dem neuen Gesetz läuft eine Diskussion darüber, ob und wie Entscheidungen der Bürger über Organspenden grundlegend neu geregelt werden sollen. Derzeit gilt in Deutschland die sogenannte Zustimmungsregelung. Wer seine Organe spenden muss, muss dem ausdrücklich zustimmen. Zum Beispiel indem man einen Organspendeausweis bei sich trägt.

Doch künftig könnte die sogenannte erweiterte oder doppelte Widerspruchslösung gelten. Das heißt, dass zunächst jeder ein Organspender ist – außer man widerspricht. Um Missverständnisse zu vermeiden, sollen zur Absicherung im Fall der Fälle immer auch die Angehörigen befragt werden, ob eine Organspende gewünscht ist oder nicht.

Autor
SWR3