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Kerstin Welter
Kerstin Welter; Foto: Kerstin Welter
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Dass die Erderwärmung dem Planeten schlimm zusetzt, ist mittlerweile klar. Wie schlimm es allerdings kommen könnte, haben 11.000 Forscher neu zusammengefasst. Ihr Appell liest sich wie ein Endzeitszenario.

Der Appell der Forscherinnen und Forscher aus insgesamt 153 Ländern soll der Menschheit klar machen, was passiere, wenn sie nicht ernsthaft gegen die Erderwärmung kämpfe. Die Wortwahl in dem Bericht, der im Magazin Bio Science veröffentlicht wurde, ist daher entsprechend drastisch:

Aus den vorliegenden Daten wird klar, dass ein Klimanotfall auf uns zukommt.

Die Wissenschaftler verweisen eingangs auch auf ihre moralische Verpflichtung, die Welt vor katastrophalen Bedrohungen zu warnen. Unterschrieben haben den Appell auch 871 Forscher deutscher Universitäten und Institute. Der Appell hat für gehörig mediale Aufmerksamkeit gesorgt, weltweit teilen vor allem Menschen und Organisationen, die sich mit Umweltthemen auseinander setzen, den Bericht.

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Menschheit ignoriert Alarmzeichen

Der Artikel hat zum Ziel, die Dinge „so zu sagen, wie sie sind“. Obwohl die ökologischen Alarmzeichen zunähmen, wäre so weitergemacht worden wie immer, heißt es weiter. 40 Jahre nach der ersten globalen Klimakonferenz in Genf seien keine wesentlichen Änderungen im Verhalten der Menschen und der Klimapolitik erkennbar, wir alle hätten „business as usual“ betrieben und die Erderwärmung sei weiter vorangeschritten.

Die meisten Nationen der Welt sparen nicht genug Treibhausgase ein

Ohne ein grundlegendes Umsteuern sei „unsägliches menschliches Leid“ nicht mehr zu verhindern. Fast drei Viertel der 184 Zusagen zum Einsparen von Treibhausgasen, die Staaten beim letzten verbindlichen Abkommen von Paris eingereicht hatten, sind offenbar nicht ehrgeizig genug. Gemessen an dem Ziel, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 um mindestens 40 Prozent zu reduzieren, seien nur die 28 EU-Staaten zusammen sowie sieben weitere Länder auf Kurs, hieß es in dem Bericht.

SWR3-Audio: Beitrag anhören; Foto: SWR3.de

Nachrichten Forscher rufen Klimanotstand aus

Dauer

Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens schon verpasst

Im Pariser Abkommen hatten sich fast alle Staaten der Welt das Ziel gesetzt, die Erderhitzung auf deutlich unter 2 und möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen. Das scheint den Wissenschaftlern schon als verpasste Zielmarke. Denn wenn der Anstieg so weiter ginge wie bisher, schreiben die fünf Autorinnen und Autoren, würde er Ende des Jahrhunderts voraussichtlich bei gut drei Grad liegen.Während US-Präsident Donald Trump das Pariser Klimaabkommen aufgekündigt hat, schauten sich die Wissenschaftler an, was die übrigen Staaten für Pläne zum Klimaschutz haben.

Fokus auf vier besonders klimaschädliche Nationen

Sie konzentrieren sich in ihrem Bericht auf vier Nationen, die zusammen mehr als die Hälfte der weltweiten Treibhausgase ausstoßen: China, Indien, die USA und Russland. China und Indien haben bisher lediglich zugesagt, die Emissionen langsamer wachsen zu lassen als ihre Wirtschaft. Russland hat noch gar keinen Plan eingereicht – und die USA haben das Abkommen theoretisch schon wieder verlassen. Allerdings tritt die Kündigung erst nach einem Jahr in Kraft.

„Nie dagewesenes Leid“ – Forscher fordern weltweiten Klimanotstand; Foto: imago images / Müller-Stauffenberg

Die Erderwärmung zu begrenzen – das fordern weltweit auch junge Menschen in der Fridays for Future-Bewegung

imago images / Müller-Stauffenberg

Veränderungen in sechs Bereichen gefordert

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fordern Veränderungen auf sechs Gebieten: massiver Ausbau der erneuerbaren Energien, Reduzierung des Ausstoßes von Stoffen wie Methan und Ruß, mehr Schutz für Ökosysteme wie Moore und Korallenriffe, eine pflanzlich basierte Ernährung, eine nachhaltigere Wirtschaft in der ganzen Welt und: ein geringeres Bevölkerungswachstum.

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Kerstin Welter
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