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Ein nigerianisches Frauen-Bob-Team hat die Qualifikation zu den Olympischen Winterspielen 2018 geschafft – und schreibt damit Sportgeschichte. Die Vorfreude ist riesig.

Es war im Jahr 1988, als ein unbekanntes Team aus Jamaika die Wintersport-Welt aufmischte: Vier Bobpiloten qualifizierten sich als erste Jamaikaner überhaupt für die Olympischen Winterspiele – eine märchenhafte Geschichte, die bis ins Kino führte. Disney zauberte aus der Story den Film Cool Runnings. Drei Jahrzehnte später gibt es eine Art Neuauflage.

Nigerianisches Team mit historischer Leistung

Bei Olympia 2018 im südkoreanischen Pyeongchang wird nämlich ein nigerianisches Frauen-Team im Bob durch den Eiskanal rasen: Steuerfrau Seun Adigun und ihre beiden Anschieberinnen Ngozi Onwumere und Akuoma Omeoga haben die Qualifikation geschafft. Jetzt läuft der Countdown, das Training für den großen Wettkampf am 20. Februar.

Ein absolutes Novum, denn noch nie war ein afrikanisches Team beim olympischen Bob-Wettkampf dabei. Und für Nigeria wird es sogar der erste Auftritt überhaupt: Noch nie waren nigerianische Männer oder Frauen bei Winterspielen am Start.

„Das ist ein riesiger Meilenstein für den Sport in Nigeria“

Um die Starterlaubnis für die Spiele zu bekommen, mussten die Frauen fünf Rennen erfolgreich ins Ziel bringen. Das gelang ihnen vergangene Woche im kanadischen Calgary. Dementsprechend euphorisch reagierten die Frauen, als die Qualifikation vollbracht war.

Das ist ein riesiger Meilenstein für den Sport in Nigeria

Adigun zum dem Magazin Kwesé ESPN

Und auch der nigerianische Verband gratulierte: „Ihr Ladies habt Herz und Hingabe bewiesen. Einen Traum zu realisieren, ist der wahre Segen.“Und auch der nigerianische Verband gratulierte: „Ihr Ladies habt Herz und Hingabe bewiesen. Einen Traum zu realisieren, ist der wahre Segen.“

Der Verband schrieb: „ECSTATIC to say the LEAST. We are so proud of our Women's Bobsled Team. You Ladies showed nothing but pure heart and dedication. To see a mere dream come reality is a true blessing.“

Von der Hürdenläuferin zur Bob-Fahrerin

Den Erfolg mussten sich die Frauen aber sehr hart erarbeiten. Adigun, in den USA als Kind nigerianischer Eltern geboren, war bereits 2012 bei den Sommerspielen als Hürdenläuferin am Start. Anschließend wechselte sie in den Wintersport, mit dem Ziel, Geschichte zu schreiben.

Ihr Traum in Pyeongchang als Bobpilotin zu starten, nahm 2014 in einer Garage in Texas erste Gestalt an: Sie hämmerte ihren ersten eigenen Schlitten zusammen und nannte ihn „Mayflower“. Mit Onwumere und Omeoga konnte sie zwei Frauen rekrutieren, die ihren Traum teilten. Blieb aber noch ein Problem: Woher kommt das nötige Geld? Adigun hatte ausgerechnet, dass sie ungefähr 150.000 Dollar brauchen würden, um es nach Olympia zu schaffen.

Crowdfunding macht's möglich

Die Lösung: Sie setzten auf Crowdfunding. Darüber machten sie sich einen Namen und Sponsoren, unter anderem die Firma Visa, auf sich aufmerksam. So bekamen sie die nötigen Mittel zusammen, um ihren olympischen Traum zu leben.

Auch auf YouTube ließen sie die Menschen an ihrer Freude teilhaben:

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Mit großen Plänen nach Südkorea

Aber die erfolgreiche Qualifikation soll noch nicht der letzte Schritt gewesen sein. Die nigerianischen Frauen reisen, anders als die Cool Runnings aus Jamaika, nicht mit dem Motto „Dabei sein ist alles“ nach Olympia.

Wir haben Pläne. Das größere Ziel ist so stark wie möglich zu sein und das Podium anzugreifen.

Adigun zu der Nachrichtenagentur Reuters

Welche Platzierung sie erreichen können, wird der Wettkampf am 20. Februar 2018 zeigen. Eins steht aber schon fest: Ein Platz in den Geschichtsbüchern ist ihnen bereits sicher.