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Es wurde als großer Erfolg der Versöhnung zwischen zwei Ländern gefeiert – jetzt wurde das Treffen von Vertretern aus Süd- und Nordkorea abgesagt. Und es steht eine weitere Drohung von Nordkorea im Raum.

Als Grund für die überraschende Absage nannte Nordkorea gemeinsame Militärübungen von Südkorea mit den USA. Das sei eine ungeheuerliche Provokation, hieß es.

Nordkroeas Machthaber Kim Jong Un und der südkoreanische Präsident Moon Jae-in geben sich die Hand; Foto: dpa/picture-alliance

Damals war noch alles gut: Ende April trafen sich Kim Jong Un und der südkoreanische Präsident Moon Jae-in, um über den Frieden zwischen ihren Ländern zu sprechen.

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Nach Angaben des US-Außenministeriums sind die Manöver, die bereits letzte Woche begonnen hätten, jährliche Routine. Sie hätten einen rein defensiven Charakter. Bei den Übungen wird ein Angriff auf Nordkorea simuliert.

Die staatlichen Nachrichtenagentur KCNA, die von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un als Sprachrohr genutzt wird, teilte mit, dass damit „die Friedensbemühungen und guten Absichten“ des Nordens untergraben werden.

USA nehmen Drohungen gelassen

Doch die Absage des Treffens ist noch nicht alles. Kim droht auch damit das geplante Gipfeltreffen mit US-Präsident Donald Trump platzen zu lassen. Der nordkoreanischen Vize-Außenminister teilte mit, dass unter anderem die US-Forderungen nach einer Abkehr von Atomwaffen der Grund sei. Wenn die US-Regierung „uns in die Enge treibt und einseitig fordert, dass wir Atomwaffen aufgeben, haben wir kein Interesse mehr an Gesprächen“, sagte er laut KCNA. 

Das US-Außenministerium sagte, es habe keine Informationen darüber, dass das Treffen in Gefahr sei. Die Vorbereitungen gingen ganz normal weiter.

Historisches Treffen?

Das Treffen zwischen Kim und Trump soll am 12. Juni in Singapur stattfinden. Es wäre das erste direkte Treffen zwischen den Staatschefs Nordkoreas und den USA.

Den Konflikt zwischen Nord- und Südkorea gibt es seit Jahrzehnten. Weil Nordkorea möglicherweise Atomwaffen besitzt, gilt er als einer der gefährlichsten der Welt. Die vereinbarten Treffen zwischen Nord- und Südkorea sowie zwischen Kim und Trump wurde deshalb als großes Zeichen der Entspannung gewertet. Nach dem Treffen zwischen Nord- und Südkroea Ende April mit einem historischen Handschlag war die Hoffnung groß, dass man sich endlich einer Lösung des Konflikts annähert.

Autor
Isabel Gebhardt
Autor
SWR3