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Nach zwei Jahren Funkstille sind Nord- und Südkorea auf Kuschelkurs. Allerdings erst einmal auf sportlicher Seite – über Politik wurde nicht gesprochen.

„Soohorang“ und „Bandabi“: Die Maskottchen der Winterspiele 2018; Foto: dpa/picture-alliance

„Soohorang“ und „Bandabi“: Die Maskottchen der Winterspiele 2018.

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Nordkorea schickt eine hochrangige Delegation zu den Olympischen Winterspielen nach Südkorea. Das ist das Ergebnis der Gespräche zwischen beiden Ländern. Südkoreas Vizeminister für Wiedervereinigung, Chun Hae Sung sagte, dass der Delegation offizielle Regierungsvertreter angehören sollen, Sportler und auch Journalisten. Vertreter beider Seiten haben sich zum ersten Mal seit zwei Jahren im Grenzort Panmunjom getroffen.

Südkorea habe außerdem vorgeschlagen, dass beide Länder bei der Eröffnungs- und Abschlusszeremonie gemeinsam einlaufen sollten. Außerdem wolle Südkorea erreichen, dass Familien in Nord- und Südkorea wiedervereinigt werden, so Chun. Und auch sein nordkoreanischer Kollege Ri Son Gwon zeigte ganz klar: Wir wollen mit euch reden. Er sagte, Nordkorea sollte sich an den Gesprächen in einer ernsthaften und aufrichtigen Weise beteiligen.

Beide Länder vereinbarten auch, dass eine direkte militärische Telefonleitung zwischen dem Norden und dem Süden wieder in Betrieb genommen wird.

Kein politischer Fortschritt

Südkoreas Vereinigungsminister Cho Myoung Gyon (l) und sein nordkoreanischer Amtskollege Ri Son Gwon; Foto: dpa/picture-alliance

Südkoreas Vereinigungsminister Cho Myoung Gyon (l) und sein nordkoreanischer Amtskollege Ri Son Gwon

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Der Leiter der Friedrich-Naumann-Stiftung in Seoul, Lars André Richter, hat allerdings Zweifel, dass eine nordkoreanische Delegation bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang zu einem Durchbruch beim Konflikt zwischen Nord- und Südkorea führen wird. Er sagte dem SWR: „Letztlich bin ich skeptisch, weil die Frage des Raketen- und Atomprogramms davon wahrscheinlich nicht berührt sein wird.“

Ein wirklicher Durchbruch bei den Gesprächen sei eine atomwaffenfreie nordkoreanische Halbinsel, wie sie die Amerikaner fordern. „Damit rechne ich nicht“, so Richter. Die Südkoreaner seien etwas zurückhaltender in ihren Erwartungen: „Die südkoreanische Seite wäre schon froh, wenn die Provokationen, also die Raketen- und Atomtests aufhören. Diese Chance besteht durchaus, zumindest kurz- oder mittelfristig.“

Der Süden mag den Norden

Die Menschen in Südkorea würden ihren Nachbarn in Nordkorea trotz der Provokationen viele Sympathien entgegenbringen, so Richter. „Es gibt Umfragen, denen zufolge eine große Mehrheit der Südkoreaner sich wünscht, dass die nordkoreanische Seite an den Winterspielen teilnimmt.“

China und Russland erfreut

China und Russland zeigten sich erfreut über die Gespräche zwischen Nord- und Südkorea. Der chinesische Außenamtssprecher Lu Kang sagte in Peking, China hoffe, dass dieses erste Treffen der Anfang sei, um die Spannungen zu lösen.

Autor
Björn Widmann
Autor
SWR3