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Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn will Autos in den nächsten Jahren aus der Innenstadt verbannen – und zwar so schnell wie möglich.

Deutlich vor 2030 müsse der Bereich der Stuttgarter Innenstadt – innerhalb des City-Rings – autofrei sein, sagt Kuhn der Deutschen Presse-Agentur. Es solle mehr über die Schiene und Busse gehen, so Kuhn weiter.

„Wir wollen eine autofreie Innenstadt. Und das machen wir jetzt Schritt für Schritt“, sagte der Grünen-Politiker. Das sei zwar ein zäher Kampf, weil Stuttgart historisch eine Autostadt sei. Aber: „Die Verkehrsmenge, die heute in Stuttgart reinfährt, ist mit mehr Urbanität nicht vereinbar.“

Kritik an Kuhns Idee

Der Handelsverband Baden-Württemberg lehnt Vorschläge für eine autofreie Stuttgarter Innenstadt ab. Könne man die Innenstadt schlecht erreichen, würde sie an Attraktivität verlieren und veröden, sagte ein Sprecher.

Die Handwerkskammer und die Industrie- und Handelskammer der Region Stuttgart wollen, dass sowohl Handwerker als auch Service-Unternehmen weiterhin gut in die Stadt kommen können. Zum Auto gebe es dazu aktuell keine Alternative, hieß es.

Mehr autofrei, weniger Feinstaub

Die Idee einer autofreien Innenstadt ist im Zusammenhang mit der Diskussion über Klimaschutz und Feinstaubbelastung aktueller denn je – und wird schon für andere Städte diskutiert oder ist bereits umgesetzt.

Beispielsweise plant die neue Regierung Bremens, das Zentrum der Hansestadt bis 2030 nach und nach autofrei zu machen. Dazu dazu soll der öffentliche Nahverkehr billiger werden und neue Buslinien auch nutzerfreundlicher. Außerdem gehören drei neue Fahrradbrücken über die Weser zum neuen Verkehrskonzept.

Autofreier Sonntag in Paris; Foto: picture alliance/Thibault Camus/AP/dpa

Autofreier Sonntag auf den Champs-Élysées in Paris

picture alliance/Thibault Camus/AP/dpa

Für Paris plant Bürgermeisterin Anne Hilgado, vier Innenstadtbereiche ab 2020 weitgehend autofrei zu machen. Wenn es dann soweit ist, sollen elektrische Shuttlebusse für mehr Mobilität sorgen.

Schon jetzt werden jeden ersten Sonntag im Monat verschiedene Straßen in Paris für Autos gesperrt – zum Beispiel die Champs-Élysées.

Hier schon Realität: Madrid seit einem Jahr autofrei

Die Innenstadt der spanischen Hauptstadt Madrid ist seit einem Jahr fast autofrei. Die frühere linke Stadtregierung wollte das historische Zentrum möglichst fußgängerfreundlich machen und die Schadstoffbelastung reduzieren. In der Innenstadt dürfen künftig nur noch Anwohner reinfahren und parken – und Fahrer von besonders sauberen Autos, etwa Elektroautos. Alle anderen müssen ihren Wagen in Garagen oder Parkhäusern außerhalb abstellen.

Nummernschilderscanner sollen sicherstellen, dass sich auch alle daran halten. Außerdem brauchen die Autos eine spezielle Umweltplakette. Ältere Diesel-Fahrzeuge dürfen beispielsweise überhaupt nicht mehr in die Stadt fahren, auch für Motorräder gibt es Beschränkungen.

Houten ist die autofreie Modellstadt

Die niederländische Stadt Houten gilt international als die autofreie Modellstadt – und das schon seit mehr als 20 Jahren. Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) war sogar schon vor Ort, um sich Informationen über das Verkehrskonzept zu holen. In der Stadt nahe Utrecht müssen sich Autofahrer den Fahrradfahren unterordnen. Möglich macht es der „Rondweg“, eine große Umgehungsstraße, die den Stadtkern vollkommen umkreist.