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Zwölf Stunden am Tag arbeiten hat doch nur Vorteile. Zumindest will das ein Werbevideo der Wirtschaftskammer Österreich vermitteln – und löst einen Shitstorm aus.

In Österreich ist eine Reform des Arbeitszeitgesetzes geplant. Darin soll auch ein Zwölf-Stunden-Arbeitstag ermöglicht werden – auf freiwilliger Basis. Zehntausende Menschen haben am vergangenen Wochenende in Wien dagegen protestiert. Am Donnerstag will das österreichische Parlament über das Gesetz entscheiden.

Worum geht es genau?

Arbeitgeber in Österreich fordern schon lange den 12-Stunden-Tag. Sie sagen: Wenn es richtig viel zu tun gibt in der Firma, muss es auch die Möglichkeit geben, dass die Mitarbeiter länger arbeiten. Bis zu 60 Stunden in der Woche sollen mit dem neuen Gesetz erlaubt sein, ohne Sondergenehmigung. Opposition und Gewerkschaften kritisieren das Gesetz als Ausbeutung. Außerdem sei ein 12-Stunden-Tag schlecht für die Gesundheit.

Werbe-Aktion geht nach hinten los

Um den Arbeitnehmern die neuen Regelungen schmackhaft zu machen, wollte die Wirtschaftskammer Österreich – wie sie selbst schreibt – neue Wege gehen: Heraus kam ein animiertes Musikvideo mit knuffigen Knetfiguren, einem Erklär-Hund und „einprägsamen“ Textzeilen:

Geht's dem einen guat, geht's uns allen guat.“

Wirtschaftskammer Österreich

Das war wohl nix

Das Video hat allerdings nur wenige Fans. Die YouTube-Likes sprechen Bände. Rund 300 Leute haben einen Daumen nach oben gesetzt. Aber über 12.000 finden das Video offenbar nicht so gelungen. In dem Video geht es vor allem um die vielen Vorteile, die Arbeitnehmer durch einen Zwölf-Stunden-Tag hätten. Denn so könnten sie die restliche Arbeitszeit flexibler einteilen oder durch die Überstunden mehr Geld verdienen.

Auf YouTube kommentierte der User Nikkimod dazu: „Ich geh lieber nach 8 Stunden heim. War lang genug. Wenn der Mensch 12 Stunden am Tag arbeitet hat er dann auch keine Zeit was mit dem Geld anzufangen.“

Zwölf Stunden und trotzdem mehr Freizeit!?

Durch die Reform des Arbeitszeitgesetzes wird in dem Video auch mehr Zeit für Familie und Kinder versprochen. Nachdem ein Hund die Frage dazu stellte, wird in einer gesungenen Antwort erklärt, dass man doch die Mehrarbeit mit mehr Freizeit ausgleichen könne. Auch soll die Regelarbeitszeit pro Woche weiterhin bei 40 Stunden liegen. Nahezu ständig sieht man in dem Video, wie die Figuren einkaufen, auf Konzerte gehen oder Urlaub machen.

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Doch Kritiker befürchten, dass die Freiwilligkeit des Zwölf-Stunden-Tages von Chefs nicht eingehalten werden könnte. Es wird befürchtet, dass Vorgesetzte ihre Mitarbeiter unter Druck setzen.

Auch bei Twitter hagelt es Kritik:

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„Wir haben verstanden“

Die Wirtschaftkammer verteidigt sich auch auf YouTube und schreibt in einem Kommentar, dass „flexible Arbeitszeiten ein Gewinn für alle sind“. Allerdings räumen die Verantwortlichen ein, dass die gewählte Form wohl nicht die richtige war:

Wir haben aber auch verstanden, dass Sie mit unserer Darstellung der flexiblen Arbeitszeiten nicht einverstanden sind.“ -

Wirtschaftskammer Österreich


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Mario Demuth
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Christine Langer
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SWR3