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Die beiden Fußballprofis Mesut Özil und İlkay Gündogan haben dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan Trikots überreicht. Jetzt reagiert der DFB mit Kritik: Die beiden Sportler haben sich für ein Wahlkampfmanöver missbrauchen lassen.

Sie hatten Erdogan Trikots überreicht

Bei einem Fototermin im Rahmen von Erdogans dreitägigem Besuch in Großbritannien hatten Özil und Gündogan dem Präsidenten Trikots ihrer englischen Vereine FC Arsenal bzw. Manchester City überreicht. Die Fotos wurden dann von Erdogans Partei auf Twitter veröffentlicht.

Ungeschickter Zeitpunkt für ein Ärgernis

Der Besuch der beiden Nationalspieler ist in mehrerlei Hinsicht brisant. Zum einen politisch, da Erdogan vorgeworfen wird, die Pressefreiheit zu beschneiden, Journalisten und Oppositionelle verhaften zu lassen. Zum anderen, weil Bundestrainer Joachim Löw sowohl Özil als auch auch Gündogan höchstwahrscheinlich ins Aufgebot für die Weltmeisterschaft in Russland (14. Juni bis 15. Juli) berufen wird. Unmittelbar davor die Nähe des türkischen Präsidenten zu suchen, erscheint zumindest ungeschickt.

Kritik vom DFB

Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Reinhard Grindel, konnte das offenbar nicht gut heißen. Er kritisierte das Treffen der beiden Fußballer via Twitter: Der DFB stehe für Werte, die vom türkischen Präsidenten nicht hinreichend beachtet würden.

Außerdem kritisierte Grindel, dass die beiden Spieler damit „nichts für die Integrationsarbeit des DFB“ getan hätten.

Harte Worte gab es auch von DFB-Teammanager Oliver Bierhoff. Der kündigte an, sich mit den Spielern aussprechen zu wollen. Außerdem sagte er:

Die beiden waren sich der Symbolik und Bedeutung dieses Fotos nicht bewusst, aber natürlich heißen wir die Aktion nicht gut und besprechen das mit den Spielern. Ich habe nach wie vor überhaupt keine Zweifel an Mesuts und Ilkays klarem Bekenntnis, für die deutsche Nationalmannschaft spielen zu wollen und sich mit unseren Werten zu identifizieren.“

Oliver Bierhoff

Auch Politiker sind empört

Auch Cem Özdemir, langjähriger Bundesvorsitzender der Partei Bündnis 90/Die Grünen, zeigte sich entrüstet. „Der Bundespräsident eines deutschen Fußball-Nationalspielers heißt Frank-Walter Steinmeier, die Bundeskanzlerin Angela Merkel und das Parlament heißt Deutscher Bundestag“, sagte er am Montag. Anstatt Erdogan „diese geschmacklose Wahlkampfhilfe“ zu leisten, betonte Özdemir, „wünsche ich mir von den Spielern, dass sie sich aufs Fußballspielen konzentrieren und noch einmal die Begriffe Rechtsstaatlichkeit und Demokratie nachschlagen“.

Autor
Laura Bisch